28. Dezember 2019 / 10:00 Uhr

Ehemaliger Dynamo-Meistertrainer Geyer kritisiert Dynamo Dresden

Ehemaliger Dynamo-Meistertrainer Geyer kritisiert Dynamo Dresden

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
 Enttäuschung bei den Dynamo-Spielern nach Spielende. Im Bild l-r: Sascha Horvath, Moussa Kone, Florian Ballas und Chris Löwe. 15.12.2019, Fussball, GER, 2. Bundesliga, 2.BL, 17. Spieltag, Saison 2019/20, VfL Osnabrück - SG Dynamo Dresden 3:0, Bremer Brücke, VfL Osnabrück vs. SG Dynamo Dresden *** Disappointment with the Dynamo players after the end of the game Im Bild l r Sascha Horvath, Moussa Kone, Florian Ballas and Chris Löwe 15 12 2019, Football, GER, 2 Bundesliga, 2 BL, 17 Spieltag, Season 2019 20, VfL Osnabrück SG Dynamo Dresden 3 0, Bremer Brücke, VfL Osnabrück vs SG Dynamo Dresden
Lange Gesichter bei Dynamo Dresden: Bei der Sportgemeinschaft lief in den ersten 18 Spielen eine Menge schief. © imago
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Der letzte DDR-Auswahltrainer analysiert die Hinrunde der Ostclubs. Er lobt RB Leipzig, Erzgebirge Aue, Union Berlin und den FSV Zwickau, geht mit Dynamo Dresden aber hart ins Gericht.

Dresden. Bei Dynamo Dresden ist er Stammgast, doch Eduard Geyer (75) verfolgt auch die anderen ostdeutschen Clubs von der Bundesliga bis zur 3. Liga mit großem Interesse. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur analysierte der ehemalige Dynamo-Meistertrainer die erste Saisonhälfte der Mannschaften und blickt auf die Rückrunde.

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RB LEIPZIG: „Auch wenn sich andere das Maul über RB zerreißen, ist es bemerkenswert, was in Leipzig in der Kürze der Zeit entstanden ist. Julian Nagelsmann hat es geschafft, die junge Mannschaft auf Anhieb besser zu machen. RB steht in der Tabelle zu Recht ganz oben. Wenn der FC Bayern weiterhin so mies spielt und Borussia Dortmund so inkonstant auftritt, traue ich den Leipzigern in dieser Saison sogar den Meistertitel zu. Sie gehören mit ihren Leistungen auf jeden Fall zu den Top 3 der Liga.“

1. FC UNION BERLIN: „Obwohl die beiden letzten Spiele vor der Winterpause gegen Hoffenheim und in Düsseldorf verloren wurden, hat Union eine gute Hinrunde gespielt. 20 Punkte sind für einen Aufsteiger ein ordentliches Ergebnis und eine gute Ausgangsposition für den weiteren Saisonverlauf. Wenn die Berliner weiterhin so geschlossen und mutig auftreten, werden sie die Klasse halten. In Zeiten, in denen der Fußball eigentlich nur noch auf Kommerz ausgerichtet ist, tut ein familiär geführter Club wie Union der Bundesliga richtig gut.“

ERZGEBIRGE AUE: „Was Aue in dieser Zweitliga-Saison bislang abgeliefert hat, ist phänomenal. Ich hoffe, dass sie nach der starken Hinrunde das Niveau in der zweiten Halbserie halten können. Eine große Rolle für das gute Abschneiden spielt dort auch Präsident Helge Leonhardt. Wenn es nötig ist, wird beim FC Erzgebirge zeitig genug ein Signal gesetzt. Wenn Aue seine Heimstärke beibehält, wird das Team am Saisonende einen guten Platz im vorderen Mittelfeld belegen.“

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<b>30. Januar 2019:</b> Ein wahres Torspektakel mit schlechtem Ende aus schwarz-gelber Sicht gibt es zum Auftakt der Restrückrunde. Dynamo Dresden verliert nach 3:1-Führung zur Halbzeitpause im Rudolf-Harbig-Stadion noch mit 3:4 gegen Arminia Bielefeld. Startelfdebütant Osman Atilgan, Brian Hamalainen und Moussa Koné sowie ein unglückliches Eigentor von Baris Atik sorgen für das zwischenzeitliche 3:1, bevor in Durchgang zwei Edmundsson, Klos und Börner das Spiel zugunsten der Gäste von der „Alm“ drehen. Zu allem Übel gibt es eine rote Karte für SGD-Kapitän Marco Hartmann, der dadurch beim Dresdner Gastspiel in Heidenheim gesperrt ist. Zur Galerie
30. Januar 2019: Ein wahres Torspektakel mit schlechtem Ende aus schwarz-gelber Sicht gibt es zum Auftakt der Restrückrunde. Dynamo Dresden verliert nach 3:1-Führung zur Halbzeitpause im Rudolf-Harbig-Stadion noch mit 3:4 gegen Arminia Bielefeld. Startelfdebütant Osman Atilgan, Brian Hamalainen und Moussa Koné sowie ein unglückliches Eigentor von Baris Atik sorgen für das zwischenzeitliche 3:1, bevor in Durchgang zwei Edmundsson, Klos und Börner das Spiel zugunsten der Gäste von der „Alm“ drehen. Zu allem Übel gibt es eine rote Karte für SGD-Kapitän Marco Hartmann, der dadurch beim Dresdner Gastspiel in Heidenheim gesperrt ist. ©

DYNAMO DRESDEN: „Die ursächlichen Fehler für die katastrophale Hinrunde wurden schon früher gemacht. Mit Ausnahme von Uwe Neuhaus wurden in der jüngeren Vergangenheit Trainer verpflichtet, die nie zu Dynamo gepasst haben. Zudem ist es versäumt worden, erfahrene Leute mit Dynamo-Vergangenheit mitzunehmen, um dem Club zu helfen. Genauso kritisch muss man hinterfragen, was die Scouting-Abteilung eigentlich macht und wo die Verantwortlichen ihre Neuzugänge suchen? In der Winterpause muss bei Dynamo von oben bis unten durchgekehrt werden. Es gibt mehrere Stellen, an denen es klemmt. Hinzu kommt, dass schon zu Saisonbeginn die Niederlagen zu schön geredet wurden. Ich hoffe, dass der neue Trainer Markus Kauczinski die Kurve kriegt. Aber eines steht fest: Er muss stark sein und sich gegen Widerstände durchsetzen. Dynamo kann den Klassenverbleib nur schaffen, wenn sich einiges ändert. Das Team muss die Fans wieder mitreißen. Da sind lange oder zweite Bälle oft mehr gefragt als dieser Ping-Pong-Fußball mit 70 Prozent Ballbesitz und ohne jegliche Torgefahr.“

HALLESCHER FC: „Der HFC ist für mich eine Wundertüte. Im Prinzip hat Halle bislang keine schlechte Saison gespielt. Aber sie haben es verpasst, sich in den entscheidenden Momenten abzusetzen und sich ein Polster zu verschaffen. Ich würde dem HFC den Aufstieg wünschen, aber sie müssen in der Rückrunde stabiler spielen. Wenn sie bis zum Schluss oben dran bleiben, ist alles möglich.“


1. FC MAGDEBURG: „Nach einem Abstieg haben viele Mannschaften oftmals mit einem Bruch zu kämpfen. Das hat Magdeburg erfahren müssen. Das bisherige Abschneiden finde ich dennoch enttäuschend, vor allem in den Heimspielen wurden einige Punkte weggeschenkt. Der FCM wird in der Rückrunde sicher noch ein paar Plätze gut machen, aber um wieder in den Aufstiegskampf einzugreifen, brauchen sie vielleicht noch ein, zwei Jahre.“

FC HANSA ROSTOCK: „Dass Hansa bei seinen Möglichkeiten über das Mittelmaß in der 3. Liga nicht hinaus kommt, ist eigenartig. Sie haben ein fanatisches Publikum und viele Fans. Immer wenn sie oben dran waren, dachte ich, Rostock beißt sich an in der Spitzengruppe fest. Aber dann hat sich die Mannschaft mit Niederlagen selbst zurückgeworfen. Mein Eindruck ist auch, dass die Spieler, die Hansa geholt hat, nicht gut zusammenpassen. Trainer Jens Härtel muss in der Rückrunde liefern, denn in Rostock wird man bekanntlich schnell ungeduldig.“

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FSV ZWICKAU: „Die Zwickauer brauchen für den Klassenverbleib schon noch ein paar Punkte, aber insgesamt staune ich über den FSV. Sie haben in der Hinrunde teilweise guten Fußball gezeigt und sind in den Duellen oftmals nie schlechter als die vermeintlichen Spitzenmannschaften der Liga. Wenn der FSV zu alter Heimstärke zurückfindet, werden sie wohl die Klasse halten.“

CHEMNITZER FC: „Die ständigen Nebengeräusche rund um den Club können nie spurlos an einer Mannschaft vorbeigehen. Aber unter dem neuen Trainer Patrick Glöckner hat sich das Team nach dem schlechten Saisonstart gefangen und den Anschluss wieder hergestellt. Dennoch ist es noch ein weiter Weg bis zur Rettung. Wenn wieder mehr Ruhe beim CFC einkehrt, ist es nicht unmöglich, die 3. Liga zu halten.“

FC CARL ZEISS JENA: „Der Klassenverbleib in der vergangenen Saison war schon eine große Überraschung. Aber im Sommer wurden in einigen Bereichen offensichtlich gravierende Fehler gemacht. Dadurch ist Jena in der abgelaufenen Hinrunde in der Tabelle ganz tief abgerutscht. Rico Schmitt versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Er hat wieder Leben in die Mannschaft gebracht. Dennoch glaube ich, dass der Rückstand zu groß ist. Es müsste ein Wunder geschehen, dass Jena den Abstieg noch verhindert.“

Sebastian Wutzler