13. Juli 2019 / 09:24 Uhr

Dynamo Dresdens Trainer Cristian Fiel: „Ich will, dass wir die Leute packen“

Dynamo Dresdens Trainer Cristian Fiel: „Ich will, dass wir die Leute packen“

Caroline Grossmann
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamos Cheftrainer Cristian Fiel auf dem Trainingsplatz in Längenfeld in seinem Element: mit lauten Ansagen, Gestik, Leidenschaft - und einem Ball.
Dynamos Cheftrainer Cristian Fiel auf dem Trainingsplatz in Längenfeld in seinem Element: mit lauten Ansagen, Gestik, Leidenschaft - und einem Ball. © IMAGO IMAGES
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Cristian Fiel, Cheftrainer der SG Dynamo Dresden, zieht im SPORTBUZZER-Interview ein Fazit nach dem Trainingslager in Österreich – und nennt ein wichtiges Ziel für die neue Saison.

Längenfeld. Am Freitag ist Dynamo Dresden aus dem Trainingslager zurückgekehrt. Trainer Cristian Fiel blickte anschließend im SPORTBUZZER-Interview darauf zurück, sprach über Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola, der wie er ein Spanier ist, und auch über Bungee-Jumping.

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Frage: Wie lautet Ihr Camp-Fazit?

Bei den Bedingungen wurden die Erwartungen absolut erfüllt. Was aber noch wichtiger ist: Die Jungs, die mit waren, haben alle sehr gut gearbeitet. So stelle ich mir das vor. Sie versuchen tagtäglich das umzusetzen, was ich von ihnen verlange – auch bei den Spielen. Man hat gesehen, dass im Moment nicht mehr so viel im Tank ist. Und so soll das auch sein zum Ende des Trainingslagers.


Was ist der Plan für die letzten beiden Wochen vor dem Ligastart?

Weiter an dem arbeiten, was wir im Spiel wollen. Man hat gesehen, dass wir noch viel verbessern müssen: noch mehr in die Bewegung kommen, noch mehr die Räume finden. Aber der Wille ist da und das ist für mich das Wichtigste.

Sie haben am Donnerstag beim Mannschaftsausflug in den Freizeitpark mit einigen Spielern einen Bungee-Sprung gewagt. Wie war’s?

Ich war der Erste, der gesprungen ist. Ich wollte, wenn etwas passiert, dass es mir passiert und sie nicht mehr springen, sondern einfach hinten wieder runterlaufen. Aber das war mal eine krasse Erfahrung, weil ich so etwas noch nie gemacht habe. Ich habe mir auch in die Hosen gemacht, aber ich habe es mir nicht anmerken lassen und war dann froh, als ich unten saß und alle noch kommen mussten.

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Mut zeigt Dynamo auch im Spiel ...

Man hat seine Idee und ich bin einfach der Überzeugung, wenn du den Ball forderst, immer in Bewegung bist und Räume findest, dass das gar nicht so mutig ist. Wenn du dann noch die Ruhe am Ball hast … – ich sehe jetzt nicht so das Mutige.

Niklas Kreuzer sagte, Sie eifern Pep Guardiola nach ...

Wenn es nicht so läuft, dann wird es heißen: Ist der wahnsinnig? So kann man in Deutschland nicht spielen oder dazu brauchst du eine Topmannschaft, wie ein Pep sie hatte. Ich habe mit Pep Guardiola überhaupt nichts zu tun. Er ist für mich der größte Trainer aller Zeiten, weil seine Mannschaften für mich einen Fußball gespielt haben, den ich verehre. Ich als Fußballfan habe Gänsehaut, wenn ich seine Mannschaften habe spielen sehen. Das ist einfach der Fußball, der mir gefällt. Leider war ich als Aktiver nicht so gut, aber ich war jetzt auch keiner, der den Ball immer blind nach vorne geschossen hat. Sondern ich habe geguckt, ob wir nicht vielleicht eine spielerische Lösung finden. Ich weiß ja, worauf das irgendwann mal hinauslaufen wird. Pep Guardiola ist Pep und ist in einem anderen Universum. Und ich bin Cristian Fiel, der eine Idee vom Fußball hat und versucht, erfolgreich zu sein. Das ist eigentlich schon alles.

Ihre Idee vom Fußball enthält hohe taktische und konditionelle Anforderungen. Haben Sie manchmal Angst, die Spieler zu überfordern?

Ich hoffe nicht. Darüber habe ich mir jetzt ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, weil ich das Gefühl hatte, dass sie die ganze Zeit mitgezogen haben – gerade dann, wenn sie müde waren. Und deshalb bin ich so zufrieden, wie sie gearbeitet haben. Über zwei, drei Ecken habe ich dann auch gehört, dass es schon viel Input ist, auch für den Kopf. Aber wir haben noch ein bisschen Zeit und letzten Endes ist es Fußball, auf den Platz gehen und Freude daran haben, was wir tun. Natürlich gibt es Vorgaben vom Trainer, aber das ist auch nichts von einer anderen Welt.

Es war Ihr erstes Vorbereitungs-Trainingslager. Wie anstrengend war das?

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Ich fand es schon sehr intensiv. Das muss ich ehrlich zugeben. Aber so ist es zu Hause auch. Du bist die ganze Zeit schon mit dem Kopf beim Arbeiten. Die eine Einheit ist vorbei und dann musst du alles beachten: Wie fühlen sie sich körperlich? Was für einen Eindruck machen sie auf dich? Wie sind sie im Kopf dabei? Bringt das jetzt noch mal was, was Taktisches zu machen, wenn sie müde und gar nicht aufnahmefähig sind? Das ist so ein unglaublicher Unterschied. Denn als Spieler hast du trainiert, hast gegessen, hast dich hingelegt, hast trainiert, hast gegessen und hast dich wieder hingelegt. Und irgendwie ist jetzt der Kopf die ganze Zeit im Arbeitsmodus. Das ist schon anstrengend, aber auf der anderen Seite auch super, sich immer wieder Gedanken zu machen, immer wieder was zu finden, wo du weißt: Womit kriegst du sie? Mit welcher Übung verstehen sie es am meisten? Wir wollen immer wieder einen anderen Input geben.

Ihre Stimme haben Sie dabei aber nicht geschont ...

Meine Mutter hat mich gefragt, ob ich krank bin. Es war vielleicht doch ein paar Mal bisschen lauter.

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Der Kader der SG Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Neuverpflichtungen zur Saison 2019/20 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader der SG Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Neuverpflichtungen zur Saison 2019/20 stehen bereits fest. ©

Hatten Sie mal Ruhe für sich?

Täglich zwischen 23 und 7 Uhr. Aber das reicht auch. Ich beklage mich überhaupt nicht. Ich liebe das, was ich tue. Ich war nicht einmal in der Sauna, obwohl ich echt jemand bin, der gerne in die Sauna geht, aber ich habe es nicht geschafft.

Vergangene Spielzeit ging es gegen den Abstieg. Gibt es in der neuen Saison eine neue Herangehensweise?

Irgendwie ist es immer die selbe Herangehensweise, weil einfach nur elf Leute spielen können. Ich bin in einer Situation, die supergut ist, weil ich auf jeder Position einen Zwei- oder Dreikampf habe. Ich bin noch weit entfernt von einer Aufstellung, weil ich sie wirklich noch nicht im Kopf hätte. Weil ein Marco Hartmann noch zurückkommt, der wichtig ist für die Mannschaft. Weil ein Florian Ballas langsam wieder rankommt. Der braucht noch ein paar Einheiten, aber der wird auch wieder zurückkommen. Weil ein Kevin Ehlers einfach mit allem, was dazugehört, ganz klar hier zeigt: Ich bin da und mit mir kannst du rechnen. Das ist auf der einen Seite für mich super. Und es wird Härtefälle geben, das steht außer Frage.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Mein Saisonziel ist, es besser zu machen als letzte Saison. Ich will, dass wir die Leute packen, dass wir sie mitreißen. Und das sind gefährliche Aussagen, aber das ist mein Wunsch. Und natürlich muss man Punkte holen, aber wenn du Leidenschaft und Willen an den Tag legst, wenn du mit Freude Fußball spielst, dann bin ich der Überzeugung, dass in dieser Mannschaft wirklich genug Qualität steckt, um eine gute Rolle in dieser Liga zu spielen.

Notiert: Caroline Grossmann