31. Mai 2020 / 08:18 Uhr

Dynamo Dresdens Patrick Schmidt: Englische Wochen können ein „Riesenvorteil“ werden

Dynamo Dresdens Patrick Schmidt: Englische Wochen können ein „Riesenvorteil“ werden

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresdens Patrick Schmidt freut sich auf das Spiel gegen den VfB Stuttgart.
Dynamo Dresdens Patrick Schmidt freut sich auf das Spiel gegen den VfB Stuttgart. © Steffen Manig
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Der 26-jährige Stürmer ist in diesem Kalenderjahr Dynamo Dresdens erfolgreichster Torschütze und sehnt den Wiederbeginn herbei. Doch mit dem VfB Stuttgart wartet am Sonntag eine harte Nuss auf die Elbestädter. Schmidt weiß, dass die Schwaben spielerisch mehr zu bieten haben und möchte mit Kampf und Einsatz dagegenhalten um etwas Zählbares mitzunehmen. 

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Dresden. Patrick Schmidts Fallrückzieher beim 2:1-Sieg gegen Erzgebirge Aue war nicht nur das Tor des Monats März, sondern auch das Sinnbild für Dynamo Dresdens sportlichen Aufbruch in dieser Phase – und mehr als ein Hoffnungsschimmer für die in dieser Saison leidgeprüften Fans. Doch dann kam die Corona-Zwangspause und bis zum nächsten Spiel am Pfingstsonntag (13.30 Uhr) vor leeren Rängen im Rudolf-Harbig-Stadion gegen den VfB Stuttgart werden 84 Tage ins Land gegangen sein.

Strukturiertes Training auch während der Quarantäne

Bis zum vergangenen Wochenende hatte sich der 26-Jährige aufgrund mehrerer Infektionsfälle in der Mannschaft zu Hause in Quarantäne befunden. Die 14-tägige Isolation habe er jedoch gut hinter sich gebracht. „Wir hatten jeden Tag einen Trainingsplan. Meistens hat man auch per Video-Call die Jungs gesehen. Der Tag war mit ein bis zwei Einheiten strukturiert. Ansonsten hat man das Beste daraus gemacht, viel gelesen, Facetime gemacht, viel gekocht – was man eben so zu Hause macht, wenn man viel Zeit hat“, berichtet der Saarländer.

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Am 19. April 1989  empfing die SG Dynamo Dresden im Halbfinale des UEFA-Cups den VfB Stuttgart. Zur Galerie
Am 19. April 1989 empfing die SG Dynamo Dresden im Halbfinale des UEFA-Cups den VfB Stuttgart. ©

Umso glücklicher ist der mit vier Toren aus sieben Spielen seit der Winterpause erfolgreichste Stürmer im SGD-Kader, dass er nach einem weiteren negativ ausgefallenen Corona-Test wieder ins Mannschaftstraining einsteigen konnte und dass es nun endlich um Punkte geht. „Wir sind heiß darauf, dass wir wieder am Wettkampf teilnehmen können. Das war ein komisches Gefühl, wenn man den Gegner sieht und selbst zu Hause in Quarantäne sitzt“, macht der gebürtige Homburger klar.

Schmidt: "Über den Willen zum Erfolg!"

Die eigene Leistungsfähigkeit sei nach dem nur einwöchigen gemeinsamen Training allerdings eine Wundertüte. „Wir alle wissen nicht genau, wo wir stehen. Wir müssen die Situation einfach annehmen. Die Vorbereitung war natürlich kurz, aber trotzdem wird das ein Spiel, wo wir einfach über den Willen kommen müssen. Über den Willen ist viel rauszuholen. Man muss gar nicht viele Worte darüber verlieren, wo wir stehen. Wir wollen gegen Stuttgart was mitnehmen“, sagt Patrick Schmidt.

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VfB Stuttgart - SG Dynamo Dresden (3:1) Zur Galerie
VfB Stuttgart - SG Dynamo Dresden (3:1) ©

Natürlich habe die SGD genau hingeschaut, als der VfB am Donnerstag einen 0:2-Rückstand gegen den Hamburger SV in einen 3:2-Sieg umdrehte. Deshalb wisse man auch, was gegen die Schwaben zu tun sei. „Wir haben einen Gegner, der wahrscheinlich mehr den Ball haben wird als wir. Wir müssen natürlich richtig gut verteidigen gegen so eine spielstarke Mannschaft. Aber wir wollen uns auch nicht verstecken. Die Ballbesitzphasen, die wir haben, wollen wir nutzen. Wir werden uns auf keinen Fall nur auf die Defensive beschränken. Das ist klar“, kündigt der Angreifer an, der übrigens selbst von 2009 bis 2012 für die Junioren der Württemberger kickte.

Rückstand auf Relegationsrang noch nicht dramatisch

Mit einem Dresdner Sieg gegen seinen Ex-Verein würde er sicher auch seinem Stammclub 1. FC Heidenheim, der ihn in dieser Rückrunde mit anschließender Kaufoption an die Dynamos auslieh, einen großen Gefallen tun. Denn die Kicker von der Schwäbischen Alb mischen derzeit als Vierter der Zweitliga-Tabelle mit nur einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz ordentlich im Aufstiegskampf mit und wollen am Sonntag beim Heimspiel gegen Dynamos sächsische Konkurrenz aus Aue nachlegen. Verliert Stuttgart und gewinnt Heidenheim, wäre der Provinzclub punktgleich mit dem großen Verein aus Baden-Württembergs Landeshauptstadt.

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Dem mit dem Stuttgart-Spiel beginnenden Mammutprogramm mit neun Pflichtspielen in 29 Tagen kann Patrick Schmidt sogar eine positive Seite abgewinnen: „Es kann auch ein Riesenvorteil werden, wenn man einen Lauf hat und sich in einen Rausch spielt und die Chance hat, alle drei Tage zu punkten.“ Zwar sei dieser Spielplan stramm und anstrengend, „aber englische Mannschaften machen das die ganze Saison durch“, relativiert er. Auch den Rückstand von nunmehr sechs Punkten auf den Relegationsplatz bei vier Spielen weniger gegenüber dem Tabellensechzehnten Karlsruher SC will Schmidt nicht dramatisieren: „Das kann man theoretisch in zwei Spielen aufholen. Von daher ist das alles kein Problem. Wir schauen auf uns, dass wir unsere Punkte holen. Und dann kann man vor den letzten Spielen auch mal schauen, wo wir stehen und wie die Tabelle aussieht.“

Insbesondere von der Endabrechnung, die am 28. Juni vorliegt, erhofft sich Patrick Schmidt natürlich ein für den aktuell abgeschlagenen Tabellenletzten Dynamo Dresden günstigeres Bild. Dann sollten die Schwarz-Gelben über dem ominösen „Strich“ liegen, der die Abstiegszone markiert. Übrigens ist Schmidt aufgrund des coronabedingten Tormangels im April der erste Spieler seit Lukas Podolski im Mai 2004, der sich sogar zwei Monate lang als amtierender Torschütze des Monats bezeichnen darf. Seine Medaille dafür hat er trotzdem noch nicht erhalten. Und es soll auch nicht sein letzter Triumph in dieser Spielzeit werden.