04. April 2020 / 08:55 Uhr

Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer: Hanteltraining vor dem Fernseher

Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer: Hanteltraining vor dem Fernseher

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer macht derzeit Stabilisations- und Kraftübungen im Wohnzimmer
Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer macht derzeit Stabilisations- und Kraftübungen im Wohnzimmer © Privat
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Der Rechtsverteidiger der Schwarz-Gelben ist durch eine leichte Erkältung und die Corona-Krise bereits seit vier Wochen zum Zuschauen verdammt. Eine lange Zeit! Dementsprechend kann es der 27-Jährige kaum erwarten, wieder mit dem Mannschaftstraining zu beginnen. Doch wann dies sein wird, ist noch nicht abzusehen. 

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Dresden. Seit Sommer 2014 kickt Niklas Kreuzer im Dynamo-Trikot, der 27-Jährige gehört damit schon zu den dienstältesten Profis der Schwarz-Gelben. In fast sechs Jahren in Dresden hat der gebürtige Münchner gute und auch schlechte Zeiten miterlebt, viele Erfahrungen gesammelt, fürs Leben gelernt. Aber die Auswirkungen der Corona-Krise haben ihn ebenso überrascht wie den Großteil seiner Zeitgenossen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über seinen völlig veränderten Tagesablauf, neu entdeckte Talente, seine Meinung zum Thema Geisterspiele und seine Bereitschaft, sich vorbeugend auf das gefährliche Virus testen zu lassen.

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Wie geht es Ihnen aktuell?

Gut, aber ich mag eigentlich nicht mehr zu Hause sitzen. Ich hatte nach dem Aue-Spiel eine leichte Erkältung, habe schon am Montag danach nicht mehr am Training teilgenommen – ich bin jetzt schon vier Wochen zu Hause. Das ist eine lange Zeit.

Kommen Sie schwerer aus dem Bett als sonst?


Nein, das geht eigentlich. Dadurch, dass wir individuelle Trainingspläne haben, haben wir ja auch was zu tun. Aber wann du das machst, ist dir überlassen, deswegen stelle ich mir keinen Wecker. Aber wenn das Training wieder los geht, du um sieben, halb acht aufstehen musst, wird das schon eine Umstellung.

DURCHCKLICKEN: Niklas Keuzer bei der SG Dynamo Dresden

11. Juli 2014: Das Porträt von Niklas Kreuzer zur Saison 2014/15. Zur Galerie
11. Juli 2014: Das Porträt von Niklas Kreuzer zur Saison 2014/15. ©

Haben Sie lieber einen durchgetakteten Tagesablauf oder sind Sie froh, sich alles selbst einteilen zu können?

Ich habe es lieber durchgetaktet. Klar ist es auch mal schön, wenn du mehr Zeit für deine Freundin hast, aber so lange muss das nicht sein. Ich kann es kaum erwarten, dass es wieder auf den Trainingsplatz geht.

Sie wären also froh, wenn es ab nächster Woche wieder Kleingruppen-Training gäbe?

Froh ist das falsche Wort, denn natürlich ist das kein normales Training. Aber bei einem Spielbeginn am 2. Mai erst am 25. April ins Training einzusteigen, sich erst dann wieder zu treffen, ist sicher schwierig. Da ist es sicher sinnvoll, sich wenigstens in kleinen Gruppen zu treffen. Mit 40 Mann in der Kabine zu hocken, einschließlich Trainern und Betreuern, das wäre auf alle Fälle problematischer. Ich würde mich freuen, wenn es wenigstens in Kleingruppen weitergeht.

Der VfL Bochum will sich am Montag treffen. Wie sieht es beim KSC aus, wo Ihr Vater arbeitet?

Sie haben es in Karlsruhe wohl auch noch nicht entschieden, diskutieren ständig mit der Stadt darüber, in Baden-Württemberg gibt es Sonderregelungen. Mein Vater sagt, sie würden daran arbeiten, so schnell es geht, auch in Kleingruppen wieder mit dem Trainingsbetrieb anzufangen. Jeder weiß, dass das jetzt wie eine Sommerpause ist, in der du alle Körner verlierst – obwohl du jeden Tag ein bisschen laufen gehst. Das kann Mannschaftstraining nicht ersetzen.

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Eineinhalb bis zwei Stunden Stabilisationsübungen und Läufe täglich sind vom Verein vorgeschrieben. Machen Sie noch etwas darüber hinaus?

Es gibt noch Internet-Work Outs, da macht dir jemand was vor, du machst das nach. Ich habe auch ein paar Gewichte zu Hause, versuche das zu nutzen. Aber ich würde lieber rausgehen, in einen richtigen Kraftraum. Jetzt habe ich nur meine kleine Matte, auf der ich Übungen mache. Zum Laufen gehe ich in den Großen Garten, da drehe ich meine Runden und dann geht es nach Hause. Dort muss ich aufpassen, dass ich mich gesund ernähre. Ich rechne damit, dass das Training jederzeit wieder los geht.

Bringen Sie aktuell etwas mehr auf die Waage als sonst?

Ich glaube nicht, habe mich vor drei, vier Tagen gewogen. Ich halte mich noch ganz gut.

Haben Sie irgendwelche verborgenen Talente entdeckt oder neu entwickelt – zum Beispiel beim Kochen?

Ja, das ist eine Sache, in der ich mich verbessert habe. Wenn du dir Mühe gibst, dann kann man abends damit viel Zeit zubringen, sich was Gesundes zaubern. Aber ich habe auch einen kleinen Softball in meiner Wohnung. Mit dem habe ich meiner Freundin das Passspiel beigebracht. Ansonsten lese ich viel Zeitung, im Netz oder ein Buch von Roger Federer. Da bin ich gut vorangekommen. Ich habe aber auch die Wohnung mal gründlich gereinigt. Es war anstrengend, musste aber mal sein.

Viele Fußballer jonglieren aus Spaß mit der Klopapierrolle? Wie klappt das bei Ihnen?

Ja, das habe ich auch probiert und am Anfang gedacht: Wie soll das gehen? Aber als ich Spieler damit jonglieren habe sehen, von denen ich weiß, dass sie eher Beißer als Techniker sind, habe ich mich auch getraut und kriege es ganz gut hin.

Sie wohnen mit Familie Wiegers im gleichen Haus. Teilen Sie sich mit Patrick, Ihrem ehemaligen WG-Mitbewohner, beim Einkaufen im Supermarkt rein?

Der Weg zum Supermarkt ist die Hauptaufgabe jeden Tag, den will jeder selbst machen. Wir haben aber drei Jahre zusammengewohnt, noch immer ein enges Verhältnis, quatschen vom Balkon aus miteinander, reden über Gott und die Welt. Leider können wir abends nicht zusammensitzen und Spiele spielen. Das wäre noch zu riskant, wir haben die Terrasse in der letzten Zeit gemieden.

Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer im Testspiel gegen Jeonbuk Hyundai Motors (3:0)
Dynamo Dresdens Niklas Kreuzer im Testspiel gegen Jeonbuk Hyundai Motors (3:0) © imago images/Steffen Kuttner

Im Fernsehen werden alte Spiele gezeigt. Ist das auch was für Sie?

Ja, ich guck da gerne mal einen Klassiker. Wenn da was läuft und ich zufällig darauf stoße, bleibe ich schon mal hängen. In der ersten Woche, als ich zu Hause war, habe ich mir auch das Spiel gegen Aue noch einmal angeguckt. Wenn du selbst spielst, kann man sich da von außen auch noch mal überprüfen, schauen, was man hätte besser machen können. Aber sonst bin ich auch auf Netflix unterwegs, schaue mir mal eine Serie an. Da geht die Zeit am schnellsten rum.

Was halten Sie von Geisterspielen, die nun bald bevorstehen könnten?

Das ist wohl die einzige Möglichkeit, Fußballspiele aktuell abzuhalten. 30 000 Fans in Dresden ins Stadion zu lassen, obwohl das Virus noch umgeht, das wäre Wahnsinn. Das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn Geisterspiele stattfinden können, wäre ich auf jeden Fall dafür, wenngleich ich lieber vor Fans spiele – gerade hier in Dresden. Das wird auf jeden Fall ganz anders, denn gerade hier in Dresden wissen alle, welchen Einfluss das Publikum auf Spiele haben kann. Ich fürchte aber, wir müssen uns daran gewöhnen, dass es in nächster Zeit nur ohne Zuschauer geht.

Wenn es wieder losgeht – so wird derzeit gemutmaßt –, müssten die Spieler alle paar Tage auf das Virus getestet werden. Würde Ihnen das die nötige Sicherheit geben, um mit der Truppe in einer Kontaktsportart aufzulaufen?

Ich glaube, dass es auf jeden Fall notwendig ist, vor Wiederaufnahme der Meisterschaft alle durchtesten zu lassen. Ich habe mich da belesen, auch jeder andere weiß, dass man das Virus in sich tragen kann, ohne irgendwelche Symptome zu zeigen. Jeder Körper reagiert anders, deswegen würde ich alle Spieler untersuchen, um der Gefahr der Ansteckung vorzubeugen. Ich bin sehr gespannt, wie die DFL das machen wird, wie das bei Spielen alle drei Tage umgesetzt werden kann. Das ist eine schwere Aufgabe, das zu entscheiden – es gibt viele Lösungsvorschläge, aber wohl kaum einen, der allen gerecht wird. Problematisch ist es auch, dass bei Geisterspielen ja nicht nur elf Spieler pro Mannschaft da sind, sondern noch ein paar mehr Menschen gebraucht werden. Ich möchte nicht das Virus in mir tragen und dann zwei Physiotherapeuten des Gegners anstecken, die vielleicht schon 60 Jahre alt sind.