10. Juni 2020 / 10:44 Uhr

Dynamo Dresdens Lebensversicherung Makienok: Drei Tore für sieben Punkte

Dynamo Dresdens Lebensversicherung Makienok: Drei Tore für sieben Punkte

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Simon Makienok erzielte gegen Fürth den Ausgleich für Dynamo Dresden.
Simon Makienok erzielte gegen Fürth den Ausgleich für Dynamo Dresden. © Getty Images
Anzeige

Er ist einer vor sechs Winterneuzugängen und sicherte Dynamo Dresden mit seinen Toren bereits sieben Punkte. Sturmhüne Simon Makienok lässt die Sachsen im Abstiegskampf hoffen.

Dresden. Der Eckball senkt sich zielgenau am zweiten Pfosten. Dresdens Sturmkante Simon Makienok, 94 Kilo schwer und über zwei Meter lang, läuft ein. Sein Fürther Gegenspieler, Ex-Dynamo Paul Seguin, steht einen Moment lang ungünstig und hat mit seinen 1,86 Metern im anschließenden Zweikampf keine Chance. Makienoks wuchtiger Kopfball fliegt zu Dynamo Dresdens 1:1-Ausgleich (54.) gegen Greuther Fürth in die Maschen. Die skandinavische Urgewalt schlägt wieder zu.

Anzeige

Unglückliches Debüt vergessen

Es ist bereits das dritte Tor von Dynamos langem Dänen innerhalb seiner letzten fünf Partien. Ohne diese jeweils spielentscheidenden Treffer hätten die Schwarz-Gelben fünf Punkte weniger und im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga wohl keine Chance mehr. Dem 29-Jährigen, der von der Insel Seeland stammt, gelingen nicht nur die Siegtore zum 2:1 in Regensburg Ende Februar und zum 3:2 in Wiesbaden am vergangenen Sonnabend, sondern auch gegen die Fürther stellt er am Dienstagabend den Endstand her.

DURCHKLICKEN: Die Dynamo-Elf in der Einzelkritik

(1) Kevin Broll: Beim 0:1 (14.) schuldlos, ansonsten muss er in Halbzeit eins nicht sonderlich oft eingreifen, obwohl die „Kleeblätter“ klar am Drücker sind. Wenn er gebraucht wird, ist er da, so bei Ernsts Hereingabe (61.) und gegen Hrgota (70.) sowie Green (82.). Note: 2,5. Zur Galerie
(1) Kevin Broll: Beim 0:1 (14.) schuldlos, ansonsten muss er in Halbzeit eins nicht sonderlich oft eingreifen, obwohl die „Kleeblätter“ klar am Drücker sind. Wenn er gebraucht wird, ist er da, so bei Ernsts Hereingabe (61.) und gegen Hrgota (70.) sowie Green (82.). Note: 2,5. ©

Das äußerst unglückliche Dynamo-Debüt von Simon Makienok, der Ende Januar 2020 kurz vor Abschluss der Transferperiode vom niederländischen FC Utrecht an die Elbe wechselt, ist spätestens jetzt vergessen: Sieben Minuten nach seiner Einwechslung bei der 2:3-Heimniederlage gegen Darmstadt fliegt er damals mit einer glatten Roten Karte vom Platz, wird für die nächsten zwei Spiele gesperrt und die SGD versauert weiter am Tabellenende.

Dänischer Angreifer wird immer wichtiger

Keine Spur mehr auch von den Folgen seiner Knie-OP, deretwegen er 2019 monatelang pausiert, sowie von seiner selbst öffentlich gemachten Corona-Infektion. Die bringt Dynamo im Mai eine zweiwöchige Quarantäne mit Trainingsstopp und drei Spielabsagen ein. Doch das scheint jetzt überwunden. „Wir konnten am Ende immer noch zulegen, kommen glaube ich langsam in die alte Verfassung“, freut sich Chefcoach Markus Kauczinski.

Mehr zum Spiel gegen Fürth

Für ihn und überhaupt das Spiel der SGD wird Makienok immer wichtiger: „Es gibt viele große Spieler. Doch er hat für uns eine besondere Klasse. Er verarbeitet die Bälle gut, hat eine unheimliche Übersicht, ist torgefährlich, ist ganz unangenehm zu verteidigen, bindet Spieler, schafft Räume für andere und ist dann noch ein richtig guter, emotionaler Typ“, sagt Kauczinski und gibt seinem Schützling quasi eine Einsatzgarantie: „Ich glaube, wir sind uns einig, dass er auf den Platz gehört.“

Dabei steht Makienok gegen die Spielvereinigung gar nicht in der Anfangsformation. Denn er plagt sich nach dem Sieg in Wiesbaden mit Hüftproblemen, ist nicht richtig fit, kann zunächst nicht trainieren. „Da ist alles zu gewesen“, berichtet Kauczinski. Erst am Dienstag vorm Spiel absolviert Simon Makienok wieder eine leichte Einheit. „Deswegen habe ich mich entschieden, ihn erst zur Halbzeit zu bringen, weil ich das Gefühl hatte, dass er nicht 90 Minuten die Energie hat, die wir brauchen“, begründet der Trainer.


Makienok bringt gegen Fürth die Wende

Seine Energie entfesselt Makienok dann eben ab der 46. Minute, als er für Jannik Müller eingewechselt wird. Der fällt der taktischen Umstellung vom 5-4-1- auf ein 4-4-2-System zum Opfer – zweite Spitze statt Fünferabwehrkette. Nach einer ersten Halbzeit, in der Dynamo vorn viele zweite Bälle verliert und offensiv kaum in Erscheinung tritt, lässt sich Alexander Jeremejeff nun etwas fallen und Makienok bearbeitet an vorderster Front die gegnerische Verteidigung. Vor seiner körperlichen Präsenz haben die Gegner großen Respekt.

Und siehe da: Der Makienok-Wechsel bringt die Wende. Die SGD agiert aggressiver und ist nun viel präsenter. „Das Spiel hat eine ganz andere Dynamik und Wucht bekommen. Die Stürmer von Dynamo Dresden haben viele lange Bälle sehr gut verlängert oder festgemacht“, muss auch der gegnerische Trainer Stefan Leitl anschließend anerkennen. Keine neun Minuten vergehen von Simon Makienoks Einwechslung bis zum Ausgleich. Genau das ist der Plan des Trainers.

Mit zwei Spitzen gegen den HSV?

Kauczinski erklärt: „Wir haben uns vorgenommen, in der zweiten Halbzeit in den offenen Schlagabtausch zu gehen.“ Und dort ist Dynamos Däne eben eine Waffe. Nicht selten gehen seine um einen halben oder ganzen Kopf kleineren Gegenspieler nach Duellen zu Boden und brauchen einen Moment, um sich nach einem Luftkampf wieder aufzurappeln. Mit dem Fuß klappt es diesmal dagegen nicht ganz so gut: Fünf Minuten vor Schluss vergibt Makienok die große Chance zum Siegtor, jagt den Ball aber ans Außennetz.

DURCHKLICKEN: Das sagen Spieler und Trainer

Sascha Horvath (Spieler Dynamo Dresden): Wir sind in der ersten Halbzeit vorn viel gerannt und haben zu dritt versucht, das dort vorn irgendwie zu lösen. Die Fürther haben sich aber mit ihren Sechsern gut fallen lassen. Dennoch haben wir versucht, Druck aufzubauen. Und dadurch hatten sie in der ersten Halbzeit nicht viele Chancen. Das Tor passiert dann durch eine Flanke. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht. Wir haben das System umgestellt, waren präsenter, waren dann nicht mehr in den Halbräumen, sondern am Mann. Das hat uns einfach gut getan. Dann haben wir die zweite Luft bekommen und sind zu Chancen gekommen. Das sollte uns Hoffnung für die nächsten Spiele geben. Zur Galerie
Sascha Horvath (Spieler Dynamo Dresden): Wir sind in der ersten Halbzeit vorn viel gerannt und haben zu dritt versucht, das dort vorn irgendwie zu lösen. Die Fürther haben sich aber mit ihren Sechsern gut fallen lassen. Dennoch haben wir versucht, Druck aufzubauen. Und dadurch hatten sie in der ersten Halbzeit nicht viele Chancen. Das Tor passiert dann durch eine Flanke. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht. Wir haben das System umgestellt, waren präsenter, waren dann nicht mehr in den Halbräumen, sondern am Mann. Das hat uns einfach gut getan. Dann haben wir die zweite Luft bekommen und sind zu Chancen gekommen. Das sollte uns Hoffnung für die nächsten Spiele geben. ©

Wenn es bereits am Freitag (18.30 Uhr) gegen den Hamburger SV geht, will auch Dresdens dänischer Riese wieder mit von der Partie sein. Dass Dynamo erneut mit zwei Spitzen spielt, sei eine Option. „Darum machen wir uns natürlich Gedanken“, verrät Markus Kauczinski, schränkt aber ein: „Die Frage ist, ob man so ein Tempo gehen kann. Und Hamburg hat mit Sicherheit noch mal eine andere Qualität, was dann das Ausspielen von Räumen angeht.“ Doch Dynamo hat Makienok.