27. September 2019 / 08:34 Uhr

Dynamo Dresdens Justin Löwe vor dem Kracher in Aue: "Wie im Märchen"

Dynamo Dresdens Justin Löwe vor dem Kracher in Aue: "Wie im Märchen"

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Teamplayer durch und durch: Justin Löwe (l.) klatscht nach seiner Auswechslung in Jena Betreuer und Kameraden auf der Bank ab.
Teamplayer durch und durch: Justin Löwe (l.) klatscht nach seiner Auswechslung in Jena Betreuer und Kameraden auf der Bank ab. © Jochen Leimert
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Am Sonntag kommt es in der 2. Bundesliga zum Sachsenderby. Mit dabei ist Youngster Justin Löwe, der bei Dynamo noch auf seinen ersten Saisoneinsatz wartet. Den Spaß am Fußball hat er aber noch längst nicht verloren.

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Dresden. In den ersten sieben Punktspielen gehörte er nicht einmal zum Spieltagskader bei Dynamo Dresden, doch Justin Löwe kämpft unverdrossen weiter um seine Chance. Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs traf am vergangenen Montag beim Testspiel in Jena (4:1) und hofft, dass er vielleicht am Sonntag (13.30 Uhr) beim Sachsenderby im Erzgebirge gebraucht wird. Dass er in Aue etwas bewirken kann, hat „Leo“ in der vergangenen Saison beim 3:1-Sieg im Lößnitztal schon bewiesen.

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FC Erzgebrige Aue - SG Dynamo Dresden 1:3 Zur Galerie
FC Erzgebrige Aue - SG Dynamo Dresden 1:3 © dpa

Florian Ballas hat beim 2:1 gegen Regensburg aus der Distanz getroffen, Sie volley nach einem Kreuzer-Eckball in Jena. Kommen Weitschüsse bei Dynamo wieder in Mode? Forciert Ihr Trainer diese Entwicklung?

Nein, da gibt es an sich keine Vorgabe. Da lässt uns der ,Fielo‘ alle Freiheiten. Es ist schön, wenn es so wie bei „Balla“ oder eben jetzt bei mir klappt.

Sind Weitschüsse eine Stärke von Ihnen? Ihr erstes Profitor letztes Jahr in Aue fiel auch durch einen Distanzschuss …

Das würde ich nicht sagen, schießen können wir alle gut. In Aue kam in dem Moment halt der Ball, da denkt man nur: Einfach drauf mit dem Ding! Da kann man nicht groß rumexperimentieren. Wenn der Ball reingeht, ist es natürlich umso schöner.

Wie oft haben Sie sich Ihren Treffer von damals seither auf Video angeschaut?

Ja, schon einige Male. Das ist eine gute Hilfe, das alles zu realisieren, weil es schon sehr unerwartet war, alles sehr schnell ging. Es war ein extrem schöner Sieg, ein extrem schöner Tag. Da sind viele Eindrücke auf mich eingeprasselt – die konnte ich in der Nacht danach gar nicht alle verarbeiten.

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29. Oktober 2016: Doppelpacker Justin Löwe beim Spiel der A-Jugend gegen Hertha BSC Berlin (3:1). Zur Galerie
29. Oktober 2016: Doppelpacker Justin Löwe beim Spiel der A-Jugend gegen Hertha BSC Berlin (3:1). ©

In Aue zu treffen ist für einen Dresdner ohnehin etwas Besonderes, oder?

Ja, für mich war das wie im Märchen: verrückt und sehr, sehr schön!

Nutzen Sie die Erinnerung an diesen Moment auch dann, wenn Sie im Training mal nicht so gut drauf sind oder ein Spiel von der Tribüne verfolgen müssen?

Definitiv! Wenn es mal nicht so gut läuft, dann ist es schon wichtig, sich an seine eigenen Stärken zu erinnern. Da kann man aus einzelnen Erlebnissen neue Motivation ziehen. Im Moment läuft es nicht gerade optimal für mich, aber ich gehe trotzdem gern zum Training und es macht mir Spaß, Vollgas zu geben. Ich weiß ja auch was ich kann, woran ich beim Trainer, woran ich bei der Mannschaft bin. Es gab noch keinen Tag bei mir, an dem ich wirklich keine Lust hatte. Das wird hoffentlich in naher Zukunft auch nicht vorkommen.

Hat Ihnen Fiel nach dem Traumtor in Jena auch mal auf die Schultern geklopft?

Ja, er hat gesagt, dass es ein schönes Tor war und ich es gut gemacht habe. Das hört man gern. Ich habe aber auch gern mal wieder fast 90 Minuten in die Knochen bekommen, Spielpraxis gesammelt. Das war in Jena eine gute Sache.

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8. Oktober 1999: Dynamo Dresden - FC Erzgebirge Aue 1:4, Goran Skeledzic (l.) mit Udo Tautenhahn im Zweikampf Zur Galerie
8. Oktober 1999: Dynamo Dresden - FC Erzgebirge Aue 1:4, Goran Skeledzic (l.) mit Udo Tautenhahn im Zweikampf ©

Wie nah kommt man in solchen Testspielen – und auch noch vor leeren Rängen – an seine Wettkampfform heran?

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Es sind natürlich andere Umstände, wenn du statt vor 30 000 in einem Ligaspiel vor 30 Zuschauern ein Freundschaftsspiel wie das jetzt in Jena bestreitest. Trotzdem musst du top motiviert sein, in diesem Spiel alles raushauen, dem Trainer zeigen, dass du da bist und mit der Mannschaft zusammen funktionierst. Natürlich ist es schöner, gegen Regensburg zu spielen, aber du musst auch in Jena das Beste draus machen – und ich glaube, das ist uns gelungen.

Ist der Konkurrenzkampf in der Mannschaft mit den im Sommer gekommenen neuen Spielern noch härter geworden?

Er war auch letztes Jahr schon hart, da hatten wir auch eine sehr gute Mannschaft. Wir sind in der Breite, aber auch qualitativ und charakterlich sehr, sehr gut aufgestellt.

Haben Sie im Sommer überlegt, sich vielleicht noch einmal ausleihen zu lassen oder sich gesagt, dass einmal reicht?

Für mich war das in diesem Sommer definitiv kein Thema. Klar haben mich meine Eltern und Freunde mal gefragt, was ich mir vorstellen könnte, aber ich habe ihnen sofort gesagt: Für mich ist das gar keine Option. Für mich stimmt der Wohlfühlfaktor bei Dynamo. Ich weiß ja auch, dass es seine Zeit braucht, sich an die Stamm- und Wechselspieler heranzukämpfen und hoffe, dass ich wenigstens mal wieder in den Kader rutsche. Letztes Jahr ging es schneller als gedacht, im Fußball kann immer was passieren. Ich lasse mich jedenfalls nicht hängen.

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Jetzt geht es nach Aue. Glauben Sie, dass es ein Vorteil für Dynamo ist, dass die „Veilchen“ nach der 0:4-Packung beim HSV nicht mehr ganz so selbstbewusst auftreten können wie davor?

Nein, ich glaube, bei so einem Spiel ist es völlig egal, wie du davor gespielt hast. Da ist völlig egal, auf welchem Tabellenplatz du stehst. In so einem Spiel zählt nur das Hier und Jetzt. Dirk Schuster wird die Auer schon heiß machen, aber wir wissen, was auf uns zukommt.

Was erwarten Sie konkret für ein Spiel?

Schwer zu sagen, das weiß man nie. Wir haben schon zu Hause 0:3 gegen Aue zurückgelegen und ein anderes Mal 3:0 in Aue geführt und uns angeguckt und gefragt: Was ist denn hier los? Von daher ist es schwer, vorauszusagen, was passiert. Hauptsache es nimmt ein gutes Ende für uns.