09. Juli 2020 / 19:23 Uhr

Dynamo Dresden: Was wird aus Jeremejeff?

Dynamo Dresden: Was wird aus Jeremejeff?

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Da war noch alles in Butter: Alexander Jeremejeff feiert im August 2019 mit den Fans den 2:1-Heimsieg gegen Heidenheim.
Da war noch alles in Butter: Alexander Jeremejeff feiert im August 2019 mit den Fans den 2:1-Heimsieg gegen Heidenheim. © Matthias Rietschel
Anzeige

Der schwedische Mittelstürmer hat noch einen Vertrag bei den Schwarz-Gelben, der auch nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga gilt.

Anzeige

Dresden. Er kam als Hoffnungsträger, erwischte auch einen sehr guten Start, doch dann ging es stetig abwärts. Am Ende der Saison, die mit dem Abstieg von Dynamo Dresden ihren traurigen Tiefpunkt fand, blickt Alexander Jeremejeff total frustriert zurück. Der schwedische Mittelstürmer, der im Vorjahr für eine Million Euro Ablöse vom schwedischen Erstligisten BK Häcken nach Sachsen kam, fühlt sich noch immer wie im falschen Film. „Es war in vielerlei Hinsicht eine kranke Saison. Jetzt geht es nur noch darum, wieder etwas Energie zu tanken“, sagte der Angreifer jüngst der schwedischen Boulevard-Zeitung „Aftonbladet“. Er weilt gerade mit seiner schwangeren Frau im Urlaub in Kroatien. Wie es nach der Rückkehr für ihn weitergeht, wusste er zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht. Fakt ist, dass Jeremejeff noch bis 2022 einen Vertrag bei Dynamo hat, der auch für die 3. Liga gültig ist.

Anzeige

Traumeinstand gegen Heidenheim

Zwar soll der 26-Jährige diverse Angebote haben, doch die Dresdner werden ihn nicht ablösefrei ziehen lassen. Zu groß wäre das Minusgeschäft, das den Schwarz-Gelben auch noch die Transferbilanz verhageln würde. „Ich entscheide das nicht alleine“, weiß Jeremejeff, den unter anderem der VfL Bochum im Blick haben soll. Dass er das Zeug für die 2. Bundesliga hat, das konnte der Mann aus Kungsbacka bei Göteborg im vergangenen Jahr zeigen. Gleich im ersten Spiel traf der Dynamo von Uwe Rösler empfohlene Ex-Malmöer beim 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Heidenheim. Damals war er begeistert von der Mannschaft, den euphorischen Fans und seinem ersten Treffer: „Es ist zu schön, um wahr zu sein.“

DURCHKLICKEN: Das dynamische 2:1 gegen Heidenheim im August 2019

SG Dynamo Dresden - 1. FC Heidenheim (2:1) Zur Galerie
SG Dynamo Dresden - 1. FC Heidenheim (2:1) ©

Am 4. Spieltag beim 2:2 in Bochum legte Jeremejeff ein Tor und eine Vorlage nach. Erst ein übles Foul von Ex-Dynamo Sören Gonther beim 1:4 in Aue bremste ihn aus. Nach 30 Minuten musste der technisch beschlagene und mit guter Übersicht ausgestattete Ex-Nationalspieler im Erzgebirgsstadion vom Feld und fiel zwei Wochen komplett aus. Danach kämpfte er mit Schmerzen und um seine Form, während Dynamo in der Tabelle abrutschte. Immerhin traf er noch beim 1:0-Sieg gegen den SV Wehen Wiesbaden und beim 1:1 gegen Sandhausen. Kurz vor Weihnachten fiel er aber beim so wichtigen Auswärtsspiel in Nürnberg (0:2) erneut aus und hatte bis weit in die Rückrunden-Vorbereitung hinein mit Reha-Training zu tun. Die Testspiele in Zwickau und im Trainingslager in Spanien verpasste er.

Stammplatz geht in nach der Winterpause verloren

Als sein Sturmpartner Moussa Koné Ende Januar nach Nimes wechselte, wurde es für Jeremejeff nicht leichter. Noch nicht wieder richtig fit verlor der Skandinavier mit dem russischen Namen seinen Stammplatz an den wuchtigen Dänen Simon Makienok. Trotz aller Bemühungen im Training kam er nicht wieder richtig in Tritt und blieb 2020 wohl auch ein Stück weit wegen der Corona-Problematik ohne Tor und Vorlage. „Es begann gut in Dresden – mit Toren im ersten Spiel und im Herbst, aber meine Verletzung warf mich zurück. Dann kamen im Winter neue Trainer, Leihspieler und obendrein auch noch das Chaos mit Corona“, schüttelt Jeremejeff nur den Kopf über das Zusammentreffen vieler ungünstiger Faktoren.

Weitere Meldungen zu Dynamo Dresden

Besonders die eng getakteten Spielansetzungen nach der Corona-Quarantäne regen ihn noch immer auf: „Es war eine unmögliche Situation. Wir sind von der Couch zu Punktspielen auf den Platz, um den Fernsehvertrag zu retten.“ Sein Mannschaftskamerad Chris Löwe habe den Umgang der Deutschen Fußball Liga mit Dynamo in seinem live bei Sky gesendeten Wutausbruch gut beschrieben, erklärte Jeremejeff der schwedischen Zeitung. Als die von ihm wissen wollte, wo er künftig spielt, konnte der 1,92 Meter große Jeremejeff keine genaue Antwort geben: „Ich schließe nichts aus. Ich weiß nicht, was passiert.“

Dynamos schwedischer Mittelstürmer Alexander Jeremejeff steht nach dem 0:4 in Bielefeld enttäuscht auf dem Platz. Da war der nahende Abstieg aus der 2. Bundesliga schon unschwer zu erahnen.
Dynamos schwedischer Mittelstürmer Alexander Jeremejeff steht nach dem 0:4 in Bielefeld enttäuscht auf dem Platz. Da war der nahende Abstieg aus der 2. Bundesliga schon unschwer zu erahnen. © Picture Point

Interesse aus dem In- und Ausland

Hull City, Twente Enschede, der FK Rostov und die bereits erwähnten Bochumer könnten für ihn zum Neuanfang werden, wenn einer dieser Clubs wenigstens einen Teil der von Dynamo im Vorjahr aufgebrachten Ablöse aufbringt, um ihn zu verpflichten. Vielleicht denkt aber auch Düsseldorfs Trainer Uwe Rösler, der ihn aus Malmö kennt, noch einmal über ihn nach. Allerdings sind vier Tore und zwei Vorlagen in 23 Einsätzen für einen Zweitliga-Absteiger wie Dynamo keine starken Argumente, mit denen man Jeremejeff bei einem Erstliga-Absteiger mit dem Wunsch nach sofortigem Wiederaufstieg anpreisen könnte.