19. März 2020 / 11:13 Uhr

100 Tage im Amt: So ist Markus Kauczinski bei Dynamo Dresden gestartet

100 Tage im Amt: So ist Markus Kauczinski bei Dynamo Dresden gestartet

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Markus Kauczinski durchlebte in seinen ersten 100 Tagen bei Dynamo Dresden sämtliche Gefühlslagen.
Markus Kauczinski durchlebte in seinen ersten 100 Tagen bei Dynamo Dresden sämtliche Gefühlslagen. © Dennis Hetzschold / dpa / Montage
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Derzeit ist Markus Kauczinski ein Trainer ohne Training. Seit genau 100 Tagen sitzt er als Chefcoach auf der Bank der SG Dynamo Dresden. Aktuell sind seine Spieler zwar wieder in der Spur, aber dank der Corona-Pandemie zugleich in alle Winde verstreut. Eine Zwischenbilanz.

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Dresden. Es sind ungewöhnliche Tage für Markus Kauczinski. Mal ist er in Dresden, mal daheim in Karlsruhe. Und das mitten in der Saison. Denn eins tut der Trainer von Dynamo Dresden derzeit nicht: Dynamo Dresden trainieren. Die Corona-Krise hat auch die Schwarz-Gelben ausgebremst. Die Zweitliga-Profis halten sich daheim auf und absolvieren ihre Einheiten individuell.

Exakt 100 Tage ist es am Donnerstag her, dass der gebürtige Gelsenkirchener als neuer Chefcoach der SGD vorgestellt wurde und den Posten als Nachfolger des geschassten Cristian Fiel bei der akut abstiegsbedrohten Mannschaft antrat. Bei der aus diesem Anlass gezogenen Zwischenbilanz fällt auf: Kauczinski erlebte auf der Trainerbank ein Hin und Her, ein ständiges Auf und Ab.

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Markus Kauczinskis Amtszeit bei der SG Dynamo Dresden beginnt mit seiner offiziellen Vorstellung am 10. Dezember 2019. Zur Galerie
Markus Kauczinskis Amtszeit bei der SG Dynamo Dresden beginnt mit seiner offiziellen Vorstellung am 10. Dezember 2019. ©

In den ersten zehn Tagen nach seiner Verpflichtung am 10. Dezember 2019 beobachtete er von der Seitenlinie aus mit Entsetzen zwei Auswärtsniederlagen (0:3 in Osnabrück und 0:2 in Nürnberg), bei denen sich defensive wie offensive Schwächen seiner Schützlinge gnadenlos in den Ergebnissen niederschlugen. Aber wenigstens konnte Kauczinski dabei exakt erkennen, was zu tun ist.

Dresdens Mini-Euphorie

Und das tat er. Mit vier insgesamt erfolgreich verlaufenen Testspielen absolvierte Dynamo – damals mit sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer abgeschlagenes Tabellenschlusslicht – eine gute Vorbereitung. In der Winterpause lotste Kauczinski mit Josef Hušbauer, Ondrej Petrák, Patrick Schmidt, Marco Terrazzino und Godsway Donyoh fünf Leihspieler an die Elbe, die allesamt schon ihren Anteil am einen oder anderen so wichtigen Punkt hatten, den die Dynamos seit dem Start der Restrückrunde holten. Die nämlich hatte vielversprechend begonnen: Nach dem 1:0-Sieg gegen Kauczinskis Ex-Verein Karlsruher SC – an jenem 29. Januar war er übrigens genau 50 Tage im Amt – und dem anschließenden 0:0 nur vier Tage später in Heidenheim gab es in Dresden eine Mini-Euphorie.

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Doch die verpuffte schnell. Zwar hatte Dynamo wegen des Abgangs der Angreifer Moussa Koné und Luka Stor auch auf dem Transfermarkt noch mal nachgelegt und den 2,01-Meter-Stürmerriesen Simon Makienok eingekauft, doch dessen Debüt misslang. Der Däne flog nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung gegen den SV Darmstadt 98 mit einer Roten Karte vom Platz und Dynamo verlor das Heimspiel mit 2:3 – nicht zuletzt wegen einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung.

SGD kann Rückenwind nicht nutzen

Es sollte für Markus Kauczinski nicht der letzte Rückschlag bleiben. Dem noch mit viel Glück beim FC St. Pauli erkämpften torlosen Remis folgte am 22. Februar eine bittere 1:2-Heimpleite gegen den VfL Bochum durch ein Gegentor der Gäste in buchstäblich letzter Sekunde. Die erhofften und dringend benötigten drei Punkte als Geburtstagspräsent für Markus Kauczinski, der zwei Tage zuvor 50 Jahre alt geworden war, blieben verdientermaßen aus. Mit nunmehr sogar acht Punkten Rückstand auf den rettenden Platz 15 gab die SGD plötzlich den Relegationsrang als Ziel aus – der letzte Strohhalm?

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1. Juli 1986 bis 3. April 1990: Eduard Geyer Zur Galerie
1. Juli 1986 bis 3. April 1990: Eduard Geyer ©

Sechs Tage später dann die Wiederauferstehung: Das 2:1 in Regensburg war Dynamos erster Auswärtssieg seit elf Monaten, mit dem gleichen Ergebnis behielt Kauczinskis Truppe auch am 8. März im Sachsenderby gegen Aue die Oberhand. Und so schnell kann es gehen: Ein Pünktchen ist der Relegationsplatz noch entfernt. Ab Platz elf (sechs Zähler mehr als Dynamo) sind alle Teams wieder im Abstiegsroulette.

Wegen Corona konnte die SGD den Rückenwind aber nicht nutzen: Die Partie in Hannover am vergangenen Sonntag fiel aus, zumindest bis Anfang April ist nun erst mal Pause. Bislang sind in dieser Saison neun Spiele unter Kauczinski absolviert, neun stehen noch aus. Dabei holte die Sportgemeinschaft elf Punkte. Hochgerechnet bis Saisonende ist diese Ausbeute wohl zu mager. Denn mit weiteren elf Punkten hätte Dynamo 35 Zähler in der Endabrechnung. Ob das für den Relegationsplatz reicht, ist ebenso unklar wie die Frage, wann und wie es nun für den Trainer und sein Team weitergeht. Denn Markus Kauczinski hat sicher noch einige ungewöhnliche Tage vor sich.