13. Juli 2021 / 19:33 Uhr

Dynamo Dresdens Tim Knipping: Vorbild in Schwarz-Gelb

Dynamo Dresdens Tim Knipping: Vorbild in Schwarz-Gelb

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Tim Knipping genießt seinen Profi-Status nicht nur, sondern nutzt ihn für gute Zwecke. © Stefan Schramm
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Freut sich auf jede einzelne Partie: Verteidiger Tim Knipping ist seit genau einem Jahr bei der SG Dynamo Dresden. Dort weiß er nicht nur sportlich zu überzeugen, sondern auch als Mensch – zuletzt mit einer besonderen Aktion.

Dresden.Die SGD verpflichtet Tim Knipping“, verkündete Dynamo Dresden am Abend des 13. Juli 2020 seinen ersten Neuzugang der vergangenen Sommerpause. Genau ein Jahr ist das nun her. Und der 28-Jährige, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft und eine Verlängerungsoption enthält, hat bereits in diesem einen Jahr in Dresden mehr Spuren hinterlassen, als es andere Profis in drei, vier Jahren getan haben.

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Ein Glücksgriff ist er zunächst natürlich in sportlicher Hinsicht. Insgesamt 37 Pflichtspiele, davon zwei im DFB-Pokal, absolvierte „Knipser“ in der vergangenen Saison für die Schwarz-Gelben – ein neuer Saisonrekord für ihn. Mit starken Leistungen in Dynamos Innenverteidigung war er einer der Garanten für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nur drei Punktspiele verpasste er – zweimal war er gesperrt, beim letzten Spiel gegen den SV Wehen fehlte er, weil am Vortag sein Stiefvater an Corona verstorben war.

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Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von Dynamo Dresden bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. ©

Wegen dessen schwerer Erkrankung hatte Tim Knipping schon drei Wochen zuvor, nach dem Sieg gegen Viktoria Köln, auf dem Rasen bitterliche Tränen geweint. Kürzlich, im Trainingslager in Heilbad Heiligenstadt, konnte er aber wieder lächeln. Auf dem traditionellen Foto der Mannschaft mit den im Camp anwesenden Fans reckte er jubelnd den Drittliga-Pokal in die Höhe, weil er bei der Meisterfeier in Wiesbaden aus den genannten privaten Gründen nicht dabei war. Es war einer dieser Knipping-Momente, die man dem sympathischen Sportsmann einfach nur gönnt.

Vorbild für Talente

Allerdings war für den gebürtigen Kasseler das Trainingslager schon vorzeitig beendet. Er unterzog sich am Freitag einem geplanten medizinischen Eingriff am Handgelenk, der Vereinsangaben zufolge gut verlaufen sei, und soll an diesem Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Knipping und Operationen: ein Kapitel für sich. Im Mai 2018 erlitt er einen Schienbeinbruch, nach der folgenden OP gab es Komplikationen. Eine Not-OP folgte, nur knapp entging er damals einer Bein-Amputation. Das wäre eine Katastrophe gewesen, erst recht für einen Fußballprofi.

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Im Trainingslager reckte Tim Knipping auf dem gemeinsamen Foto von Mannschaft und Fans den Drittliga-Pokal in die Höhe. © Stefan Schramm

Eine lange Narbe blieb zurück – und ein noch stärkeres Bewusstsein für den eigenen Körper und dessen Leistungsfähigkeit. „Ich bin dankbar, dass ich gesund bin“, sagt er heute, auch mit Blick auf die vielen Muskelfaserrisse, die seine Mannschaftskameraden jüngst in der Saisonvorbereitung ereilten. „Ich kann bei mir ganz gut einschätzen, wann ich mich mal rausnehmen muss und wann ich auf die Zähne beißen kann. Aber gerade junge oder neue Spieler möchten sich auch zeigen und versuchen, ein bisschen mehr Gas zu geben, was dann vielleicht falsch ist“, erklärt Tim Knipping.

Seine dahingehenden Erfahrungen gibt er natürlich gern an die jüngeren Spieler weiter – auch an den 19-jährigen Ransford Königsdörffer, der sich gerade nach einer im Mai erlittenen Meniskus-Verletzung zurückgekämpft hat. Ihm rät er, die Zeit zu nutzen und möglichst viel für seine Physis zu tun, seinen Körper aber auch zu schonen und zu pflegen. „Es kann leider schneller vorbei sein, als man denkt. Solange man keine eigene Verletzung gehabt hat, denkt man immer, dass das weit weg ist“, weiß Knipping, zu dem die Talente als Vorbild aufschauen, weil es bei ihm nicht nur sportlich, sondern auch menschlich passt.


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Eigentlich hätte es gerade für Letzteres keines weiteren Beweises bedurft. Tim Knipping, der mit Schicksalsschlägen umzugehen lernte, lieferte ihn trotzdem. In der Nähe von Chemnitz besuchte er Ende Juni den 14-jährigen Leon, der zum dritten Mal gegen eine Krebserkrankung kämpft, und schloss Freundschaft mit dem jungen Dynamofan. Und mehr noch: Über seine Instagram-Seite versteigerte „Knipser“ ein Dynamotrikot und einen Ball, beide jeweils von der gesamten Mannschaft unterschrieben, sowie zwei seiner Fußballschuhe.

100. Zweitliga-Spiel?

Wie Dynamo an diesem Dienstag mitteilte, brachte die Auktion 1.000 Euro ein und der Sieger verdoppelte die Summe kurzerhand auf 2.000 Euro. Sie kommt Leon und seiner Familie zugute – als Beitrag, damit er sich seinen Wunsch erfüllen kann: die Anschaffung eines ausgebildeten Begleithundes. Über die Familienkrebshilfe Sonnenherz sind weitere Spenden gern willkommen. „Danke an alle, die diese Aktion unterstützen! Ihr macht die Welt im Kleinen zu einem besseren Ort“, sagt Tim Knipping gerührt, der somit auch mit seinem Engagement abseits des Fußballplatzes vorangeht.

„Als Fußballprofis sind wir privilegiert, ich weiß das sehr zu schätzen. Und weil wir in der Öffentlichkeit stehen, haben wir die Chance, etwas Gutes zu bewegen, und sollten die auch nutzen. Das muss ja nicht immer nur etwas Finanzielles sein. Man hat es jetzt gesehen: Wenn man einfach nur für jemanden da ist und seine Freundschaft anbietet, kann das manchmal schon ausreichen. Ich bin froh, dass es mittlerweile viele Spieler und Sportler gibt, die das umsetzen“, erklärt Knipping und nennt den engagierten jungen Engländer Marcus Rashford, eine der tragischen Figuren des Elfmeterschießens im EM-Finale, als positives Beispiel.

Läuft auch sportlich weiter alles glatt bei ihm, könnte Tim Knipping in dieser Saison sein 100. Zweitliga-Spiel feiern. Er bringt aktuell die Erfahrung aus 72 Einsätzen ein und traf übrigens in jedem seiner bislang vier Jahre im Unterhaus mindestens einmal ins Tor. Er freue sich auf jede einzelne Partie, sagt er, auf die Spiele gegen Regensburg und Sandhausen aber besonders: „Es ist natürlich immer ein gewisser Charme, gegen die ehemaligen Kollegen oder den ehemaligen Verein zu spielen.“ Und vielleicht ist er ja sogar über 2022 hinaus noch ein Schwarz-Gelber.