22. Dezember 2019 / 12:14 Uhr

Dynamo Dresden so schlecht wie noch nie – Torwart Broll rechnet ab

Dynamo Dresden so schlecht wie noch nie – Torwart Broll rechnet ab

Jens Maßlich, dpa
Leipziger Volkszeitung
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Torwart Kevin Broll in Nürnberg in Aktion: „Nur mit guten Jungs kommst du nicht viel weiter!“ © Dennis Hetzschold
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Dynamo Dresden spielt die schwächste Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte. Für Torwart Kevin Broll ist das nur schwer zu verkraften, er rechnet mit seinen Team-Kollegen ab.

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Dresden. Für Kevin Broll werden es keine unbeschwerten Feiertage. „Ich werde sicherlich nicht bis zum neuen Jahr eine Auszeit nehmen oder auf andere Gedanken kommen. Dafür bin ich zu arg Fußballer und liebe den Sport zu sehr. Du kannst mit dem ganzen Scheißdreck nicht abschalten“, schimpfte der Torwart von Dynamo Dresden nach der Niederlage beim 1. FC Nürnberg.

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Das 0:2 war zugleich die elfte Saisonniederlage, noch nie war eine Dresdner Mannschaft in der 2. Bundesliga schlechter als in dieser Spielzeit. Mit nur 13 Punkten überwintert Dynamo am Tabellenende, kann selbst mit einem Sieg zum Rückrundenstart Ende Januar die Rote Laterne nicht abgeben. Die Mission Klassenverbleib wird ein Kraftakt.

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Zweites Spiel unter Kauczinski, zweite Niederlage: Die SG Dynamo Dresden verliert beim 1. FC Nürnberg mit 0:2. Zur Galerie
Zweites Spiel unter Kauczinski, zweite Niederlage: Die SG Dynamo Dresden verliert beim 1. FC Nürnberg mit 0:2. © Dennis Hetzschold

Broll wollte nach dem Spiel eigentlich gar nichts sagen, war sichtlich angefressen. Dann fand er dennoch deutliche Worte – vor allem in Richtung seiner Mannschaftskollegen. „Wir müssen schauen, dass wir im neuen Jahr guten Mutes wieder an die Sache rangehen, einfach auch die Eier in der Hose haben jeden Tag, jede Minute, in jedem Trainingsspiel – und wenn es nur zum Duschen geht, scheißegal“, erklärte der 24-Jährige und forderte einen Mentalitätswandel: „Nur mit guten Jungs kommst du nicht viel weiter.“

„Wir sind Dynamo und ihr nicht“

Am 3. Januar versammelt Trainer Markus Kauczinski seine Mannschaft zum Trainingsauftakt im „Großen Garten“. Die rund dreieinhalbwöchige Wintervorbereitung startet mit einem Laufbandtest am 6. Januar. Bis dahin solle jeder „jeden Tag bis zum Trainingsstart mehrmals in den Spiegel gucken und sich fragen, ob er alles gegeben hat. Wenn ich hier Leute sehe, die nicht auf dem Platz stehen, und mehr Emotionen zeigen, als vielleicht manche auf dem Platz…“, unterbrach Broll seine Wutrede, um letztlich nichts Falsches zu sagen.

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Dresdens Schlussmann ist der Einzige, der während der vergangen 18 Spieltage konstant gute Leistungen brachte. Seine Wut ist verständlich. Auch auf den Rängen ließen die Dynamo-Fans ihrem Frust freien Lauf. Nach der Pleite in Nürnberg geigten sie ihrer Mannschaft – nicht das erste Mal in dieser Saison – gehörig die Meinung. „Wir sind Dynamo und ihr nicht“ war noch das Netteste, was sie ihnen entgegneten. Auch einige Bierbecher flogen in Richtung der Dynamo-Kicker.

Bedrohliches für Königsdörffer

„Wir sind danach in die Kurve, weil sich das gehört“, erklärte Kauczinski auf der Pressekonferenz noch im Max-Morlock-Stadion. Der 49-Jährige könne den Frust über die Leistungen der vergangenen Monate verstehen und erklärt, es sei wichtig, „den Kopf hinzuhalten. Nach so einer Zeit steht man da auch zurecht, wo man steht.“

Auf Jung-Profi Ransford-Yeboah Königsdörffer mag die Szenerie dennoch eher bedrohlich gewirkt haben. Der 18 Jahre alte U19-Stürmer feierte vergangenen Freitag sein Profi-Debüt für Dynamo und wird es wohl nicht in positiver Erinnerung behalten. „Wenn dann noch ein A-Jugend-Spieler das erste Mal da ist, du siehst ihn mit Tränen in den Augen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr“, schimpft Broll. „Der Junge ist das erste Mal dabei, muss sich dann solche Beleidigungen anhören, wofür er nichts kann.“