22. Juni 2021 / 18:08 Uhr

Übergangspräsidium bittet Dynamo Dresdens Mitglieder ins Stadion

Übergangspräsidium bittet Dynamo Dresdens Mitglieder ins Stadion

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Präsident Holger Scholze steht der Außerordentlichen Mitgliederversammlung von Dynamo Dresden vor.
Präsident Holger Scholze steht der Außerordentlichen Mitgliederversammlung von Dynamo Dresden vor. © imago/Robert Michael
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Am 21. Juli soll eine Außerordentliche Mitgliederversammlung die jüngst ausgefallene Neuwahl von Präsidium, Jugend- und Ehrenrat ermöglichen. Die Kür findet in Dynamo Dresdens Rudolf-Harbig-Stadion statt.

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Dresden. Der wohl durch technische Schwierigkeiten verursachte Abbruch der Ordentlichen Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 2019/20 hat dem Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden nicht nur einen Imageschaden beschert, sondern auch rechtliche Probleme. Da am 12. Juni wegen anhaltender technischer Störungen keine Neuwahl des Präsidiums, des Jugend- und des Ehrenrates durchgeführt werden konnte, endete die Amtszeit der einzelnen Gremienmitglieder, wie der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag feststellte. Damit der zweitgrößte Sportverein Ostdeutschlands (23.684 Mitglieder/Stand: 30. April) nicht ohne beschlussfähiges Präsidium dasteht, musste der Aufsichtsrat ein Übergangspräsidium ernennen.

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Einladung per Post

Das Kontrollgremium bestimmte dabei mit Holger Scholze (bisher Präsident), Michael Bürger und Ronny Rehn (bisher Vizepräsidenten) genau jene drei Vereinsmitglieder zu Mitgliedern des Übergangspräsidiums, die in den letzten drei Jahren die Vereinsspitze gebildet hatten. Die Aufgabenverteilung blieb bestehen, als sich das Übergangspräsidium konstituierte: Scholze fungiert nun als Übergangspräsident, Bürger und Rehn sind seine Stellvertreter.

Ganz ähnlich verfuhr der Aufsichtsrat mit den anderen beiden Gremien – sowohl im Jugend- als auch im Ehrenrat machen alle bisherigen Mitglieder erst einmal weiter, bis die Vereinsmitglieder ihre Vertreter neu wählen können. Stattfinden soll die Kür nun am 21. Juli ab 18 Uhr im Rudolf-Harbig-Stadion, denn für diesen Termin hat das Übergangspräsidium eine Außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Die Einladungen an die Dynamo-Mitglieder sind per Post unterwegs. Wer sie im Kasten vorfindet, Zeit und Muße hat, kann dann am 21. Juli zum VIP-Eingang Lennéstraße kommen, denn die Versammlung soll auf der Haupttribüne der Arena stattfinden.

Damit bleiben Vereinsmitglieder ausgeschlossen, die aufgrund beruflicher und familiärer Verpflichtungen oder wegen gesundheitlicher Einschränkungen nicht persönlich erscheinen können. An einem Mittwochabend könnte das noch mehr Personen betreffen als an einem Samstagvormittag. Die Chance, die eine technisch störungsfreie Online-Mitgliederversammlung bietet – die Stärkung der vereinsinternen Demokratie –, ergreift Dynamo vorerst nicht noch einmal.

Furcht vor neuen Blamage groß

Nachdem die Abschaffung der Briefwahl bestimmten Gruppen von Mitgliedern (beispielsweise Ältere oder Mitglieder mit welche weit entferntem Wohnort) die aktive Mitbestimmung an Entscheidungsprozessen deutlich erschwert hat, hätte eine digitale Mitgliederversammlung für manche unüberwindbare Hürden wieder gesenkt. Dabei hatte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend am 12. Juni noch betont, dass Online-Meetings auch in Größenordnungen von über 1000 Teilnehmern heutzutage machbar seien: „Das ist kein Hexenwerk. So etwas funktioniert normalerweise.“

Der Schock vom 12. Juni sitzt aber noch tief, die Furcht vor einer neuen Blamage ist groß. So setzt Dynamo nun wieder auf eine Präsenzversammlung, die überhaupt nur dank der rapide gefallenen Corona-Infektionszahlen wieder in Betracht kam. Sich auf Dauer der fortschreitenden Digitalisierung entziehen kann sich Dynamo aber wohl kaum. Das weiß auch Holger Scholze, der am Dienstag in einer Vereinsmitteilung noch einmal bei den Mitgliedern um Entschuldigung für das Debakel am 12. Juni bat.

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Der 49-Jährige, der Anfang Juli 50 wird, verteidigte zugleich den Beschluss der Vereinssitze, die Versammlung erstmals online durchzuführen. „Vor dem Hintergrund der Unwägbarkeiten im Zuge der Corona-Pandemie halte ich es weiterhin für die richtige Entscheidung, diesen Weg gewählt zu haben. Selbstverständlich analysieren wir weiterhin mit dem vom Verein beauftragten IT-Dienstleister gemeinsam die Ursachen, welche trotz der im Vorfeld sorgfältig durchgeführten und wiederholt funktionierenden Tests letztendlich zum Abbruch der Mitgliederversammlung geführt haben.“ Nach wie vor gehe man von einem technischen Problemen aus. „Wir können andere Gründe aber nicht ausschließen“, so Scholze.