10. Dezember 2019 / 08:25 Uhr

Dynamo Dresden auf steinigem Weg

Dynamo Dresden auf steinigem Weg

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Angreifer Moussa Koné steht traurig am Pfosten. Er vergab gegen den SV Sandhausen eine Riesenchance zum 2:1-Siegtor.
Angreifer Moussa Koné steht traurig am Pfosten. Er vergab gegen den SV Sandhausen eine Riesenchance zum 2:1-Siegtor. © Steffen Manig
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Zweitliga-Schlusslicht Dynamo Dresden zahlt gegen Sandhausen erneut Lehrgeld und kämpft an vielen Fronten um mehr Effizienz.

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Dresden. Hätten Moussa Koné oder Luka Stor kurz vor Schluss Sandhausens Keeper Martin Fraisl bezwungen und das 2:1 erzielt, dann wäre Dynamo Dresden am Sonntag als Sieger vom Platz gegangen und hätte nach Punkten zur Nichtabstiegszone aufgeschlossen. Doch hätte, hätte, Fahrradkette. Fakt ist: Der Sieg wäre glücklich, ja unverdient gewesen, denn die Gäste aus der Heidelberger Vorstadt waren an diesem Tag das bessere Team. Der erste Eindruck von der Tribüne – er wird von den Spieldaten untermauert. In vielerlei Hinsicht waren die Schwarz-Gelben den Schwarz-Weißen unterlegen.

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Die SG Dynamo Dresden holt im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion einen Punkt gegen Sandhausen. Am Ende heißt es 1:1. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden holt im heimischen Rudolf-Harbig-Stadion einen Punkt gegen Sandhausen. Am Ende heißt es 1:1. © Dennis Hetzschold

Was man von einem im Abstiegskampf steckenden Team erwarten muss, das ist zum einen hohe Laufbereitschaft. Doch mit 109,26 Kilometern lag die Laufleistung der Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat mehr als zwei Kilometer über der der Heimelf (107,13 km). Die Gäste hatten in Dresden mit 57 Prozent mehr Ballbesitz als die Kicker von Interimstrainer Heiko Scholz, der offenbar die Abkehr vom Ballbesitzfußball eines Cristian Fiel beschlossen hat und mehr auf eine stabile Abwehr und schnelles Umschalten setzt. Dazu bedarf es aber Genauigkeit im Zuspiel, doch die fehlt der eigentlich spielerisch-veranlagten Mannschaft derzeit. Betrug die Passquote der Sandhausener 75 Prozent, so lag die der Dresdner Kicker nur bei 63. Auch aufs Tor schossen die Gäste öfter, sie erarbeiteten sich 18 Versuche, Dynamo nur 16, wobei nur sehr wenige Torgefahr verbreiteten und wie die beiden in der 84. Minute Fraisl ernsthaft forderten.

Immerhin konnte der Mannschaft niemand das Bemühen absprechen. Kam die von Niklas Kreuzer als Kapitän angeführte Scholz-Truppe in die Zweikämpfe, dann langte sie zu. Mit 53 Prozent gewonnenen Zweikämpfen hatte sie ein kleines Plus gegenüber den SVS-Profis, die vielen Dresdnern physisch überlegen waren. Vier Gelbe Karten zeugen davon, dass Dynamo sich nicht zu schade war, auch mal die Axt rauszuholen.

Hoffnung längst nicht aufgegeben

Große Reserven hat die Mannschaft dagegen bei den Standards, die – Union Berlin macht es in der Bundesliga vor – gegen spielerisch überlegene Mannschaften trotzdem Punkte bringen können. Erstens sind fünf Eckbälle für ein Heimspiel recht dürftig. Zweitens konnten sich die Dresdner kaum Freistöße in Tornähe erarbeiten. Die beiden aussichtsreichsten Möglichkeiten vergaben Niklas Kreuzer und Baris Atik auch noch, wobei der Versuch des Türken in der 71. Minute wenigstens aufs Tor ging und Fraisl etwas in Schwierigkeiten brachte.

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Kevin Broll (SG Dynamo Dresden): Natürlich haben wir uns drei Punkte erhofft. Bittere Pille mit dem Elfmeter, dass der da im Nachschuss noch reingeht. Dann haben wir das Quäntchen Glück vorne nicht. Das war Power-Play auf beiden Seiten - immer wieder. Den Punkt nehmen wir jetzt einfach mal mit und können auf jeden Fall darauf aufbauen. Zur Galerie
Kevin Broll (SG Dynamo Dresden): "Natürlich haben wir uns drei Punkte erhofft. Bittere Pille mit dem Elfmeter, dass der da im Nachschuss noch reingeht. Dann haben wir das Quäntchen Glück vorne nicht. Das war Power-Play auf beiden Seiten - immer wieder. Den Punkt nehmen wir jetzt einfach mal mit und können auf jeden Fall darauf aufbauen." ©

Heiko Scholz weiß, dass viel zu tun bleibt, um die Defizite abzustellen: „Letztendlich geht es nur um harte Arbeit – jeden Tag. Du musst immer wieder Dinge üben, Dinge einstudieren.“ Die Hoffnung auf die Trendwende hat er längst nicht aufgegeben: „Mit dem Spiel bist du noch nicht abgestiegen.“ Dynamo habe noch genug Spiele: „Wenn du mal zwei, drei hintereinander gewinnst, bist du auch wieder in anderen Regionen – aber das wird ein langer Weg, das geht nicht von heute auf morgen.“

Dass der Lucky Punch am Sonntag nicht gelang, damit müssten seine Spieler leben, so Scholz. Abstiegskampf sei anstrengend für den Kopf, der dann oft nicht mitspielen wolle – erst recht in entscheidenden Situationen wie der in der 84. Minute gegen Sandhausen: „Wenn du Dritter bist, haust du so ein Ding rein.“