26. September 2021 / 10:07 Uhr

Druckprüfung in Dresden: Wie Werder Bremen bei Dynamo die Derby-Niederlage korrigieren will

Druckprüfung in Dresden: Wie Werder Bremen bei Dynamo die Derby-Niederlage korrigieren will

Eric Zimmer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Markus Anfang will mit Werder wieder einen Sieg einfahren.
Trainer Markus Anfang will mit Werder wieder einen Sieg einfahren. © Getty Images (Montage)
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Das Spiel bei Dynamo Dresden ist für Werder Bremen nach der Niederlage im Nord-Derby eine Druckprüfung. Beim Neuaufbau muss der Klub immer wieder Rückschläge einstecken. Jetzt soll die Auswärtsstärke einen Erfolg bringen.

Über die Autobahn sind es 470 Kilometer vom Bremer Weserstadion zum Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden. Weit weg von zu Hause antreten – für die Profis vom Zweitligisten SV Werder ist das eine gute Sache. Denn vor Beginn des achten Spieltags fanden sie ihr Team in der Auswärtstabelle mit sieben Punkten auf Rang zwei wieder. Am Sonntag (13.30 Uhr, Sky) sollten aus Bremer Sicht nach der Partie gegen die SG Dynamo drei weitere hinzukommen, wenn der umgebaute SVW nicht früh den Anschluss nach oben verlieren will.

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Ein Auswärtsspiel zur rechten Zeit, denn die Hansestadt ist schon lange keine Festung mehr. Das zeigt sich auch in Liga zwei: vier Punkte aus vier Spielen, zuletzt gab es das 0:2 gegen den Hamburger SV. "Ein herber Rückschlag", so das Fazit von Werders Torwart Michael Zetterer, dessen Team vor den Freitagsspielen Achter war.

Momentan scheint es jedenfalls schlau gewesen zu sein von den Bremer Verantwortlichen, das Wort Aufstieg durch das Wort Wiederaufbau ersetzt zu haben. Zur Erinnerung: Erst kurz vor dem sechsten Spieltag wusste Trainer Markus Anfang, mit was für einer Mannschaft er final ins Rennen geht. 17 Spieler führt der Klub als Abgänge auf, sieben als Zugänge von extern. Mehr als 30 Millionen Euro kamen rein. "Endlich", sagte Anfang, "haben wir alle Spieler zusammen." Mit denen, darunter der von Bayer Leverkusen ausgeliehene Mitchell Weiser, gewann er Spiel eins nach der Transferperiode in Ingolstadt mit 3:0, fast fertig umgebaut hatte es vorher ein 3:0 daheim (erster Heimsieg seit Februar) gegen Rostock gegeben. Schubrakete Richtung 1. Liga? Nein. Beides waren Siege gegen Aufsteiger, dann kam der HSV.

Werder setzt auf die Auswärtsstärke

"Jetzt haben wir aber die Chance, das im nächsten Spiel zu korrigieren und erfolgreich zu sein", sagt Verteidiger Milos Veljkovic zur Partie in Dresden. Die Niederlage gegen den HSV in Sachsen zu korrigieren, auch wenn dort die Elbe fließt, ist schlicht nicht möglich. Aber dort erfolgreich zu sein schon – wenn Werder seine Auswärtsstärke zeigt und besser zielt. 121 Torabschlüsse haben die Grün-Weißen in der Statistik (bundesliga.com) zusammengetragen, nur elf davon waren drin – inklusive zweier Eigentore (von Hannover und Ingolstadt).

Das Pech klebt speziell Niclas Füllkrug (null Saisontreffer) am Schuh, auch gegen Hamburg vergab er beste Möglichkeiten. Aber "es wird kommen", sagt und hofft Anfang und meint Füllkrugs erstes Saisontor. Darüber dürfte sich auch Marvin Ducksch freuen, auf dem in Sachen Torgarantie die Last liegt. Vor Spieltag fünf von Hannover 96 gekommen, hat er seitdem dreimal getroffen. Viermal würde es heißen, wenn Kollege Weiser nicht verbotenerweise in der HSV-Mauer gestanden hätte. "Solche Tage gibt es, aber dafür wollen wir nächstes Wochenende umso mehr verwandeln", so die Ducksch-Ansage vor Dresden.

Dynamo soll also leiden unter dem Werder-Frust, in dem das Positive nicht untergehen darf – wie die Passquote von 85,3 Prozent (Platz zwei) und der durchschnittliche Ballbesitz von 54 Prozent (ebenfalls Platz zwei). Und dass Anfang Spieler entwickeln kann, zeigen die Mittelfeldakteure Romano Schmid (21, drei Torbeteiligungen) und Niklas Schmidt (23, vier Torbeteiligungen, ein Treffer), die sich von Fragezeichen zu ersten kleinen Ausrufezeichen gemausert haben. Nun müssen sie zeigen, ob sie das auch unter Stress sind. Denn: "Es kann hitzig werden", sagt SVW-Profi Nicolai Rapp zum Dresden-Spiel. Riecht nach einer Druckprüfung, an deren Ende eine Richtung feststeht, wohin Werders Weg führt: Nach oben oder ins Mittelmaß.