25. September 2020 / 18:52 Uhr

Die neuen Stars der Wolfsburger Frauen: Premiere am Sonntag möglich

Die neuen Stars der Wolfsburger Frauen: Premiere am Sonntag möglich

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die neuen VfL-Offensivstars: Karina Saevik (l.) und Shanice van de Sanden.
Die neuen VfL-Offensivstars: Karina Saevik (l.) und Shanice van de Sanden. © VfL Wolfsburg
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Zu Gast ist mit Aufsteiger Meppen ein Team, das keine Hürde darstellen sollte. Dennoch wird das Heimspiel des VfL Wolfsburg am Sonntag (14 Uhr) eine mögliche Premiere. Denn: Die beiden Neuzugänge Shanice van de Sanden (Olympique Lyon) und Karina Saevik (Paris St. Germain) könnten spielen.

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Die versprochenen Verstärkungen sind da: Mit Shanice van de Sanden (Olympique Lyon) und Karina Saevik (PSG) verpflichtete Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg gleich zwei offensivstarke Spielerinnen kurz vor Ende der Transferfrist am 5. Oktober. Nach den Abgängen von Pernille Harder (FC Chelsea) und Madelen Janogy (Pitea) sowie den Verletzungen von Ewa Pajor (Knie-OP) und Fridolina Rolfö (Gehirnerschütterung) musste der VfL noch einmal reagieren. Van de Sanden und Saevik sind seit Mittwochabend in Wolfsburg und trainierten Freitagmittag zum ersten Mal mit ihrer neuen Mannschaft.

"Ich bin wirklich sehr stolz, jetzt das VfL-Trikot tragen zu dürfen", so van de Sanden, die erst vor 26 Tagen im Finale der Champions League noch ein Teil des gegnerischen Teams war. "Hinter Lyon ist Wolfsburg definitiv das zweitbeste Team der Welt und nach dieser Saison hoffentlich das beste der Welt. Ich hoffe, dass ich dabei helfen kann, dass wir nicht nur den Pokal und die Liga gewinnen, sondern auch die Königsklasse. Ich kenne die Qualität der Spielerinnen, sie können mich besser machen und ich möchte das zurückzahlen."

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Für die niederländische Nationalspielerin war der Transfer eine "Jetzt oder nie"-Situation: "Die Champions League-Woche hat mir gezeigt, dass ich nicht genug Spielminuten bei Lyon bekomme." Insgesamt kam sie beim Endturnier in Spanien nur auf acht Minuten - zu wenig. "Ich bin bald 28 und möchte spielen. Als der VfL dann angefragt hat, musste ich nicht lange überlegen. Sie wollten mich unbedingt", so van de Sanden.

Im Februar hatte der VfL sich bereits erstmals bei van de Sanden über einen möglichen Wechsel erkundigt, doch die Offensivspielerin entschied sich noch einmal für eine Vertragsverlängerung bei Lyon. "Ich hatte nach der Weltmeisterschaft eine harte Zeit. Ich bin eine große Spielerin in Holland, die Medien haben sehr negativ berichtet. Wenn man sich nicht gut fühlt, muss man an sich arbeiten und das habe ich auch getan. Während der Corona-Pause ist für mich klar geworden, was ich will und was nicht. Da habe meine Meinung geändert. Für mich ist der VfL jetzt zu hundert Prozent der richtige Verein."

Und so war es auch kein Problem für van de Sanden, spontan ihren Alltag in Lyon aufzugeben und nach Wolfsburg zu wechseln. Sie reiste als Lyon-Spielerin zur Nationalmannschafts-Abstellung und nicht danach wie ursprünglich gedacht "nach Hause", sondern zum VfL. "Das ist Fußball", weiß sie, denn: "Wenn du für einen neuen Verein unterschreibst, musst du sofort umschalten können und bereit sein, deine Sachen zu packen. Ich musste einfach ruhig bleiben. Der VfL ist sehr professionell, und sie haben mich sehr unterstützt, sodass ich mir keine Sorgen machen musste."

Van de Sanden spielt am liebsten auf dem rechten Flügel, Saevik auf den Außen oder vorne in der Spitze. "Man will immer so viel und schnell wie möglich spielen, also war es für mich überhaupt nicht hart, direkt die Sachen zu packen. Ich bin bereit, da zu spielen, wo der Trainer mich einsetzt", findet auch die Norwegerin, deren eigener Wunsch es war, Paris zu verlassen. Bei PSG (wo sie auch schon mit VfL-Torfrau Katarzyna Kiedrzynek zusammenspielte) kam die 24-Jährige in einem Jahr nur auf elf Einsätze. Norwegen- und nun auch Neu-Team-Kollegin Ingrid Engen bestätigte Saevik in ihrer Entscheidung zum VfL zu wechseln: "Sie hat natürlich nur Gutes berichtet und alle meine Fragen beantwortet."

Beide Neuen spielberechtigt

Am Sonntag empfängt der Double-Gewinner Aufsteiger SV Meppen (14 Uhr) im AOK Stadion. VfL-Trainer Stephan Lerch sagt über einen möglichen Einsatz seiner Neuzugänge: "Beide stehen auf der Spielberechtigungsliste, also müssen sie sich auch darauf einstellen, dass sie am Wochenende im Kader sein können. Was die Fitness betrifft, mache ich mir bei Shanice und Karina überhaupt keine Sorgen. Man muss aber auch bedenken, dass alles neu ist – die Umgebung, das Team, die Mitarbeiter. Da muss man sich erst einmal finden." Dazu kommt: "Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, unterscheidet sich natürlich auch ein Stück weit von der Philosophie anderer Vereine." Die Umstellung müsse schnell gehen. "Aber die Spielerinnen sind vom Kopf her bereit und freuen sich darauf, dies umzusetzen. Gleichzeitig sollen sie natürlich ihre eigenen individuellen Stärken auf den Platz bringen, denn damit können sie uns unheimlich weiterhelfen."

Meppen überraschte an den ersten beiden Spieltagen, spielte gegen Duisburg und Potsdam remis. Lerch: "Sie werden alles daransetzen, uns das Leben so schwer wie möglich zu machen." Man dürfe außerdem nicht vergessen, dass "unsere Spielerinnen nach der Rückkehr von ihren Nationalmannschaften nur ein oder zwei Einheiten zusammen haben. Das wird schon eine Herausforderung. Wir haben zum Glück keine weiteren Ausfälle und klar ist auch, dass wir dieses Spiel souverän gewinnen wollen."