18. April 2021 / 12:09 Uhr

Die "N-Frage": Will RB Leipzigs Julian Nagelsmann an Bayerns Katzentisch?

Die "N-Frage": Will RB Leipzigs Julian Nagelsmann an Bayerns Katzentisch?

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Nach dem Rücktritt von Hansi Flick sucht der FC Bayern München einen neuen Trainer. Naheliegender Kandidat: RB Leipzigs Julian Nagelsmann. Aber auch Ralf Rangnick werden Chancen eingeräumt.
Nach dem Rücktritt von Hansi Flick sucht der FC Bayern München einen neuen Trainer. Naheliegender Kandidat: RB Leipzigs Julian Nagelsmann. Aber auch Ralf Rangnick werden Chancen eingeräumt. © imago images/GEPA pictures
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Hansi Flick will seinen Vertrag beim FC Bayern München auflösen. Der Rekordmeister ist ab sofort auf Trainersuche. Der Blick der Verantwortlichen geht Richtung Leipzig und damit Julian Nagelsmann. 

Leipzig. Kein Mensch der Welt gibt freiwillig einen Super-Vertrag beim Super-Verein Bayern München zurück. Es sei denn, er heißt Hansi Flick, hat keine Lust mehr, seinem super unangenehmen Intimfeind ständig über den Weg zu laufen. Und eine weit stressfreiere und ähnlich auskömmlich dotierte Alterntive beim super-heimeligen DFB in der Hinterhand. Flicks Wunsch nach Vertragsauflösung wird in selbiger münden. Es sei denn, die Bayern-Bosse setzen Sportvorstand Hasan Salihamidzic an die Luft und überdenken ihre angestaubte Vorgehenswiese beim An - und Verkauf von Spielern. Flick saß in Sachen Neuzugänge und Vertragsverlängerungen/Umgang mit verdienten Helden wie Jerome Boateng nicht mal am Katzentisch (es grüßt Frau von der Leyen), wurde weder gehört noch erhört. Die Bayern kauften Spieler, mit denen Flick wenig anfangen konnte, verkauften Spieler, mit denen er weiter arbeiten wollte. Für Flick muss sich das so angefühlt haben: Friss, stirb oder such‘ dir was Neues, Hansi! Wird er tun. Der Job des Bundestrainers bietet die beste Work-Life-Balance weltweit.

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Knackpunkt: Mitspracherecht bei Kaderplanung

Der letzte Coach, der bei den Bayern bei der Kaderplanung mitsprechen durfte, war Pep Guardiola. Erinnert sei an dessen Ausspruch „Thiago und sonst keiner...“ Doch selbst der Supersuper-Trainer stieß an Grenzen, bekam eben keinen Kevin de Bruyne (damals noch bezahlbar), sondern Mario Götze. In der Premier League verantworten Manager wie Guardiola, Thomas Tuchel und Jürgen Klopp, wie Fußball gespielt wird, welche Fußballer geholt und weggeschickt werden. Ein Modell, das viel mehr Sinn macht als das in München praktizierte.

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Flicks große Leistung bei den Bayern bestand darin, dass er zuallerst Club-Ikone Thomas Müller den unter Niko Kovac flöten gegangenen Stammplatz zurückgab und den Herren Stars erklärte: Freunde, Qualität kommt von Qual! Unter Flick liefen sie wie die Hasen, griffen früher an, setzten nach - und sich auch dank der individuellen Weltklasse eines Manuel Neuer und Robert Lewandowski durch.

Dass Flick kein Taktik-Guru wie Tuchel oder auch Julian Nagelsmann ist, lässt sich an der für Bayern-Verhältnisse exorbitant hohen Zahl an Gegentoren festmachen. Dass die Bayern-Bosse ihrem Cheftrainer im Duell mit Salihamidzic nicht zur Seite gesprungen sind, ist Fakt und lässt nur zwei Schlüsse zu. Erstens: Sie verschwenden keinen Gedanken daran, die Gewaltenteilung in der Kader-Bestückung zugunsten des Trainers zu verändern. Zweitens: Sie halten Flick für entbehrlich. Wenn man drittens anführen möchte, kommt die N-Frage ins Spiel. Die Nachfolge-Wunschliste ist eine kleine und wird von Julian Nagelsmann angeführt. Der steht bis 2023 in Leipzig unter Vertrag und hat laut Club-Boss Oliver Mintzlaff kein Preisschild an der Trainingshose kleben. Das muss so nicht bleiben. Nagelsmann ist erst zarte 33. Wenn er trotzdem der Annahme ist, dass die Offerte aus seiner bayerischen Heimat nie mehr wieder kommt, wird die Nummer interessant.

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Wenn Nagelsmann zudem glaubt, dass er bei den Bayern von Transfer XY nicht erst aus der Zeitung erfährt, kommt Dynamik in die Sache. Wenn Nagelsmann schließlich Mintzlaff inständig bittet, nach München zu dürfen, wird es kompliziert. Verwehrt man einem Mann, der auf Koffern sitzt, einen Lebenstraum? Andererseits würde Mintzlaff bei einem Ja zu Nagelsmanns Weggang hinnehmen, dass die Bayern immer kriegen, wonach ihnen der Sinn steht. Das diese Bayern ohne Rücksicht aufs Leben der anderen Lebensadern der Konkurrenz an sich reißen. Viele Spieler sind wegen Nagelsmann in Leipzig, diverse kommen im Sommer wegen ihm.

Unser Vorschlag zur Güte: Die Bayern holen jenen Mann, der zu haben ist und all die Super-Trainer inspiriert bzw. aufs Gleis gesetzt hat. Ralf Rangnick. Nach zwei, drei, vier Rangnick-Jahren kommt Nagelsmann. Knackpunkt: Salihamidzic und Rangnick passen zusammen wie Else Kling und Bruce Willis.