18. Oktober 2019 / 16:30 Uhr

Derbyzeit in Oranienburg: Am Sonntag stehen die Uhren auf Null

Derbyzeit in Oranienburg: Am Sonntag stehen die Uhren auf Null

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Der Oranienburger FC mit Coach Djerlek empfängt Flohr mit dem TuS Sachsenhausen.
Der Oranienburger FC mit Coach Djerlek empfängt Flohr mit dem TuS Sachsenhausen. © Marius Böttcher/Robert Roeske/SPORTBUZZER-Grafik
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Brandenburgliga:  Oranienburg und Sachsenhausen treffen im Stadtderby aufeinander – die Ausgangslage ist für das Duell nicht relevant.

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Dieses Duell begeistert nicht nur in der Oberhavel-Kreisstadt die Fußballfans: Der Oranienburger FC Eintracht trifft in der Fußball-Brandenburgliga auf den TuS 1896 Sachsenhausen (Sonntag, 14.30 Uhr, Orafol-Arena). Das Stadtderby zieht alle in seinen Bann. Wer setzt sich in Oranienburg zumindest bis zum nächsten Aufeinandertreffen in der Rückrunde die Fußball-Krone auf?

Geht es nach Marc Flohr holt seine Mannschaft diese nach drei Niederlagen aus den jüngsten vier Derbys wieder zurück ins Elgora-Stadion. „Die beiden letzten Spiele haben wir zu Recht verloren, weil Oranienburg in drei der vier Halbzeiten besser war“, sagt der 45-Jährige, der am Sonntag sein erstes Stadtduell als Chefcoach des TuS 1896 erlebt. Eine besondere Anspannung verspüre er deshalb nicht. „Im Moment noch nicht. Das kommt bei mir aber eh immer erst am Spieltag“, so Flohr. Im Trainingsbetrieb habe in der abgelaufenen Woche natürlich trotzdem eine besondere Atmosphäre geherrscht. „Jeder ist noch ein bisschen konzentrierter.“

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Das kann auch sein Gegenüber Enis Djerlek bestätigen. „Ich weiß, was Derby bedeutet“, stellt der Oranienburger Trainer klar. „Wenn Roter Stern Belgrad auf Partizan trifft, gibt es nichts größeres“, erklärt der Serbe, der selbst Anhänger von Roter Stern ist. Djerlek hat beim OFC im Sommer 2018 als Chefcoach die Nachfolge von Hans Oertwig angetreten und seitdem beide Stadtderbys mit dem Club gewonnen. Duelle mit dem TuS 1896 haben für ihn auch persönlich eine lange Historie. „In Altlüdersdorf war der TuS immer ein Gegner, gegen den ich gerne gespielt habe – weil wir sie eigentlich fast immer verhauen haben“, erinnert sich Djerlek, der viele Begegnungen als Co-Trainer von Oertwig erlebte.

Als beide dann nach Oranienburg kamen, sei der Rivale aus Sachsenhausen lange ein Vorbild gewesen. „Beide Vereine treiben sich gegenseitig an. Wir sind auch durch den TuS besser geworden“, glaubt der 45-Jährige. Mit dem Ergebnis, dass der OFC Eintracht jetzt auch mal ein paar Derbys gewonnen habe.

Wenig anfangen können beide Trainer mit der Diskussion um die mutmaßliche Beteiligung von Personen aus dem TuS-Umfeld an den Ausschreitungen am vorigen Wochenende am Rande der Landespokalpartie der Oranienburger. „Mich ärgert diese Geschichte“, sagt Enis Djerlek. „Das wird hochgebauscht und die Spieler müssen es ausbaden. Da soll ein Feindbild aufgebaut, dabei sind doch am Ende alle Kumpels.“ Die Spieler würden das Ganze auf dem Rasen aber gut einordnen können. Das glaubt auch Marc Flohr. „Die Mannschaften können am wenigsten etwas dafür“, sagt er.

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Am Donnerstag hatte sich der Vorstand des TuS 1896 noch einmal öffentlich von den Vorfällen auf dem Oranienburger Sportplatz distanziert – und alle Fans aufgerufen, die Mannschaft am Sonntag während des Spiels friedlich zu unterstützen. „Die Mannschaft braucht und erwartet euch“, schreibt der Club auf seiner Facebookseite. „Es kann nochmal ein paar Prozente freisetzen, wenn man weiß, dass da draußen ein paar positiv Verrückte stehen, die einen anpeitschen“, weiß auch Flohr. Spätestens nach dieser Woche hätten aber auch die Derbydebütanten im Team gemerkt, dass dies kein normales Spiel ist, ist sich Sachsenhausens Trainer sicher.

In noch einer Sache sind sich die beiden Trainer einig: Die Uhren stehen am Sonntagnachmittag auf Null. Beide Mannschaften haben zehn Punkte auf dem Konto. Der TuS ist aufgrund des besseren Torverhältnisses Achter, Oranienburg geht als Zehnter ins direkte Duell. „Aber selbst wenn da der Erste gegen den Letzten spielen würde, wäre das in dieser Partie völlig egal“, sagt Marc Flohr. „Die Chancen stehen immer 50:50“, fügt Enis Djerlek hinzu. Flohr glaubt: „Ein bisschen entscheidet auch das Glück, das wollen wir am Sonntag natürlich auf unserer Seite haben.“

In Bildern: Die Oranienburger Stadtderbys nach der Wende.

Die Oranienburger Stadtderbys nach der Wende. Zur Galerie
Die Oranienburger Stadtderbys nach der Wende. ©

Dafür kann der TuS-Coach aus dem Vollen schöpfen. Bis auf die Langzeitverletzten sind alle an Bord. „Ich denke, wir sind gut vorbereitet.“ Ob auch der OFC mit voller Kapelle antreten kann, wird sich kurzfristig entscheiden. Es werde auch am Sonntag Ausfälle geben, so Djerlek ohne zuviel zu verraten. Wichtig sei trotz aller Rivalität, dass man sich nach dem Spiel wieder die Hand geben kann, so der Oranienburger Trainer.