03. Februar 2020 / 20:53 Uhr

Der Löwe brüllt nicht mehr: Acht Abgänge beim FV Liebenwalde

Der Löwe brüllt nicht mehr: Acht Abgänge beim FV Liebenwalde

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In Bildern: TuS Sachsenhausen unterliegt dem FV Liebenwalde mit 1:2.
In Liebenwalde wurde der Zusammenhalt immer großgeschrieben - im Moment bröckelt er allerdings etwas. © Robert Roeske
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Kreisoberliga Oberhavel/Barnim: Dem Tabellenletzten steht eine schwere Zeit bevor. Gleich acht Spieler, darunter Leistungsträger, haben den Verein in der Winterpause verlassen. Doch die Liebenwalder wollen die Saison "mit Anstand" zu Ende spielen und dann über die weitere Zukunft entscheiden.

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Den Fußballern des FV 1997 Liebenwalde stehen schwere Zeiten ins Haus. Sie gehen nicht nur als Tabellenletzter der Kreisoberliga in die Rückrunde der Saison 2019/20, sondern auch mit einem stark geschrumpften und ersatzgeschwächten Kader. Ursache dafür ist die Tatsache, dass nicht weniger als acht Spieler, die zu den Leistungsträgern der Stammelf gehörten, in der Winterpause ihren Austritt aus dem Verein und damit den Rückzug aus der ersten Männermannschaft erklärt haben. Dazu gehören: Jonas (27), Roman (34) und Adrian Kain (32), Simon Träger (28) und Johannes Petschelt (26), Daniel Lehmann (27), Lucas Gerigk (28) und Philipp Rzepucha (27).

Während sich die Kain-Brüder sowie Simon Träger und Johannes Petschelt dem Oranienburger FC Eintracht angeschlossen haben, sind Daniel Lehmann, Lucas Gerigk und Philipp Rzepucha zurück nach Bärenklau gegangen, von wo sie 2017 beziehungsweise 2018 zum FV Liebenwalde gekommen waren.

Fragt man die Vereinsspitze nach den Gründen für den plötzlichen und einschneidenden Aderlass, merkt man, wie es in Vereinschef Ralph Ludwig und Kassenwart David Pritschow brodelt. „Sie hatten keine Lust mehr, bei uns zu spielen“, sagt Ralph Ludwig und fügt hinzu: „Man hat uns vorgeworfen, dass wir keine neue Spieler geholt haben, die das Kreisoberliga-Team verstärken können.“ Doch das, da ist sich der Vorstand des FV Liebenwalde einig, sei bestenfalls die halbe Wahrheit. „Wir haben niemanden, der wochen- und monatelang durch den Kreis ziehen kann, um Verstärkungen für uns an Land zu ziehen“, sagt Ralph Ludwig. Der personell ohnehin schon denkbar knapp besetzte Vorstand, könne das nicht leisten, habe aber trotzdem, wo es sich anbot, immer wieder versucht, Akteure für die erste Mannschaft zu gewinnen. Leider ohne spürbaren Erfolg.

In Bildern: Das sind die Kreispokalsieger aus Oberhavel/Barnim seit 2008.

<b>2019/2020</b> Der Favorit aus Zepernick setzte sich in einem spannenden Finale durch. Neuzugang Kevin Maek erzielt das Tor des Tages. Zur Galerie
2019/2020 Der Favorit aus Zepernick setzte sich in einem spannenden Finale durch. Neuzugang Kevin Maek erzielt das Tor des Tages. ©

Dazu habe sich ein permanentes Verletzungspech gesellt, was Kicker wie Robert Beau, Dennis Klawitter oder Miguel Rodriquez Troncoso zu längeren Spielpausen zwang. Um die Personalsituation zu entkrampfen, habe sich der Verein schließlich schweren Herzens dazu entschlossen, die zweite Männermannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. Doch diese Art Verstärkung war den Spielern, die nun in der ersten Mannschaft das Handtuch geworfen haben, offenbar zu wenig und qualitativ nicht gut genug. Ihre Unzufriedenheit, so Ralph Ludwig, sei bereits gegen Ende der ersten Halbserie zu spüren gewesen, als die Elf in der Kreisoberliga einige deftige Niederlagen einstecken musste. Höhepunkt war die 0:15-Klatsche am letzten Hinrundenspieltag gegen Ahrensfelde II. Da habe man deutlich gemerkt, dass einige Akteure schlichtweg keine Lust mehr hatten, sich für ihren Verein ins Zeug zu legen. Aus dem brüllenden Löwen im Logo des Vereins ist ein Kätzchen geworden, das nur noch leise und gelangweilt vor sich hin schnurrt.

Hinzu gekommen seien Undiszipliniertheiten auf dem Platz, durch die man sich unnötige Rote Karten und Spielsperren eingefangen habe. Und außerdem kritisieren Ralph Ludwig und David Pritschow die mangelnde Einstellung einiger Spieler, die zum Beispiel oft in der mangelhaften Trainingsbeteiligung ihren Ausdruck fand. Um in der Kreisoberliga bestehen zu können, so sagt der Vereinschef, reiche einmal Training in der Woche eben nicht aus. Hin und wieder hätten Spieler gar gänzlich beim Training gefehlt. Dabei habe man zum Beispiel den Trainingstermin am Donnerstag extra später gelegt, damit die stark eingespannten berufstätigen Akteure bessere Chancen haben, daran teilnehmen zu können. Man könne doch nicht verlangen, so betont Ralph Ludwig, dass sich der Verein um neue Spieler bemüht, wenn die eigenen Fußballer nicht mal bereit sind, regelmäßig zum Training zu kommen.

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Wie soll es nun weitergehen? „Wir werden versuchen, die Saison sportlich und mit Anstand zu Ende zu spielen“, sagt der Vorstand. Das sei auch der Wille der verbliebenen 16 Akteure. Vielleicht könnten auch noch zwei, drei Spieler aus dem Ü35-Team dabei helfen. Anschließend denkt der Verein darüber nach, in der 1. Kreisklasse einen Neustart zu wagen. Die Mehrheit der Spieler habe bekundet, Lust zu verspüren, einen Neuanfang in der 1. Kreisklasse zu machen.

Hält Liebenwalde trotz aller Widrigkeiten die Treue: Robert Beau.
Hält Liebenwalde trotz aller Widrigkeiten die Treue: Robert Beau. © Bert Wittke

Einer, der dabei sein will, ist Robert Beau. Er findet vor allem den Zeitpunkt der massiven Austrittswelle „lächerlich“. Zumal alle Akteure vor Saisonbeginn fest zugesagt hätten, die Saison auf alle Fälle zu Ende spielen zu wollen. „Wir haben acht schöne Jahre mit den Kain-Brüdern zusammen hier Fußball gespielt“, sagt Robert Beau. Wenn sie nun wieder an ihrem Wohnort in Oranienburg Fußball spielen wollen – okay. Aber das sinkende Schiff mitten in der Saison zu verlassen, sei kein guter Stil. Erst recht nicht, wenn vorher die Zusage gegeben wurde, bis Saisonende zu bleiben.

„Wir müssen das jetzt ordentlich zu Ende bringen“, appelliert Robert Beau, der froh ist, nach seiner Kreuzbandverletzung wieder laufen und spielen zu können, an seine Mitspieler. Schon, um die Mannschaft, die sich jetzt diesem Vorhaben stellt, auch für die Zukunft beieinander zu halten. Und dann solle verdammt noch mal zu dem zurückgekehrt werden, was den Liebenwalder Fußball schon immer ausgemacht hat – die Freude, am Sonnabend die Jungs der Mannschaft zu sehen und mit ihnen auf dem Platz um Punkte, Tore und Siege zu fighten, fordert Beau. Sodass aus dem schnurrenden Kätzchen auch wieder ein brüllender Löwe wird.