28. Februar 2021 / 18:39 Uhr

Trainer Christian Gross über sein Aus bei Schalke, Transfer-Flops im Winter und "Strömungen" im Klub

Trainer Christian Gross über sein Aus bei Schalke, Transfer-Flops im Winter und "Strömungen" im Klub

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christian Gross hat enttäuscht auf seine Freistellung bei Schalke 04 reagiert.
Christian Gross hat enttäuscht auf seine Freistellung bei Schalke 04 reagiert. © IMAGO/Eibner
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Nach seiner Demission bei Krisen-Klub Schalke 04 hat sich der geschasste Trainer Christian Gross zu Wort gemeldet. Der 66-Jährige ärgerte sich in der Schweizer Zeitung "Blick" über die vermeintliche Spieler-Revolte, gestand Fehler ein. Das Engagement bei S04 bereut er indes nicht.

Nur rund zwei Monate dauerte die Amtszeit von Christian Gross beim Bundesliga-Schlusslicht FC Schalke 04. Am Sonntag musste der Schweizer nach der 1:5-Niederlage bei seinem Ex-Klub VfB Stuttgart gehen - genau wie ein Großteil seines Trainerstabs, Lizenzspielerchef Sascha Riether und Sportvorstand Jochen Schneider. Auf das neuerliche Beben bei den Knappen reagierte Gross mit Ernüchterung. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte der 66-Jährige der Schweizer Zeitung Blick und brachte gleichzeitig seine Überzeugung zum Ausdruck, "dass Schalke den Abstieg noch verhindern kann".

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Über seine Demission war er nach eigenen Aussagen vom ebenfalls freigestellten Schneider informiert worden, der Gross kurz nach Weihnachten als vierten S04-Trainer der Saison installiert hatte - mit begrenztem Erfolg. Gross konnte nur eines seiner elf Spiele gewinnen, kassierte acht Niederlagen. Das Aus am Sonntag sei "der Abschluss von zwei unglaublichen Tagen" gewesen, sagte Gross mit Blick auf die vorangegangen 48 Stunden, als übereinstimmende Medienberichte publik geworden waren, wonach Führungsspieler intern seinen Rauswurf gefordert hätten.

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"Diese Meldung von der Revolte, vom Aufstand oder von was auch immer, brachte natürlich große Unruhe", sagte Gross, der am Samstagmorgen vor der Partie in Stuttgart deshalb Rücksprache mit Schneider hielt. "Er sagte mir explizit, bei ihm sei kein Spieler gewesen. Und ich habe auch die Spieler direkt angesprochen. Dass sie bei Problemen direkt zu mir kommen sollen", so Gross weiter. "Es kann ja sein, dass einem mein Gesicht nicht gefällt, dass er mich nicht mag. Aber dann kann man es doch offen aussprechen, kein Problem." Es sei kein Spieler zu ihm gekommen.

Gross: "Würde nicht mehr die gleichen Spieler holen"

Für Gross, dessen bis Sommer gültiger Vertrag nicht aufgelöst wurde, ist indes vorstellbar, dass die Revoluzzer sogar den Weg zu höher als Schneider und Riether gestellten Klubgremien gesucht haben könnten: "Das ist nicht auszuschließen. Es zeigt einfach, dass es im Umfeld einer Mannschaft Strömungen geben kann, die über das Fußballerische hinausgehen". Der 66-Jährige ärgerte sich über die Stimmungslage bei S04: "Ich lernte als Spieler bei Bochum, mit den Menschen offen zu sein. Mit ihnen direkt zu sprechen, wenn ein Problem da ist und es dann ausdiskutiert. Dass dies dann nun mutmaßlich ausgerechnet auf Schalke nicht der Fall war, das ist schade."

Gross gestand auch Fehler ein: "Mir fehlten die Siege. Keine Frage." Und damit nicht genug. "Ich würde im Winter nicht mehr die gleichen Spieler holen", ergänzte er und sehnte sich in der Retrospektive "ein glücklicheres Händchen" herbei. In der Winterpause hatten die Knappen mit Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi und Klaas-Jan Huntelaar drei namhafte Spieler verpflichtet. Der 37 Jahre alte Huntelaar jedoch laboriert seit seiner Verpflichtung an Wadenproblemen - auch die beiden anderen Neuen hatten schon mit Verletzungen zu kämpfen. Zudem soll das Trio bei der angeblichen Revolte zu den Rädelsführern gezählt haben. "Sie sind ja erfahren, diese Spieler, aber ja, es lief nicht alles glücklich", sagte Gross, der Schalke als die größte Enttäuschung seiner Karriere bezeichnete, das Engagement aber nicht bereut: "Es war eine riesige Herausforderung."