24. Januar 2020 / 20:41 Uhr

Chemie Leipzig gegen BFC: Die zweitbesten Abwehrreihen der Regionalliga treffen aufeinander

Chemie Leipzig gegen BFC: Die zweitbesten Abwehrreihen der Regionalliga treffen aufeinander

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Konnte mit der Leistung seiner Jungs nicht zufrieden sein: Chemie-Coach Miroslav Jagatic.
Chemie-Coach Miroslav Jagatic. © Karina Hessland-Wissel
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Das Nachholspiel der Chemiker gegen den Berliner FC findet am Sonntagnachmittag statt. Die Grün-Weißen stehen vor einer schweren Aufgabe, sollten aber punkten, wenn sie den Klassenerhalt nicht all so spannend gestalten wollen.

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Leipzig. Chemie gegen BFC – das war früher Klassenkampf reinster Form. Von der Stasi unterstützter DDR-Serienmeister hier, vom Sportsystem systematisch benachteiligter Underdog da. Hier der Buhmann eines ganzen Landes, dort der Liebling der Massen. Es hat sich viel geändert seit jenen Tagen, nur eines ist geblieben: Die Berliner reisen als Favorit nach Leipzig-Leutzsch an.

Elf Punkte und acht Tabellenplätze trennen die Teams, zudem kann der BFC Dynamo auf neun mehr erzielte Treffer verweisen. Beide gemeinsam haben sie die wenigen Gegentore. Jeweils 21 Tore ließen die Abwehrreihen erst zu, zweitbester Wert der Liga gemeinsam mit Lok und nach Viktoria Berlin (14). Wichtiger Mann in den Reihen von Dynamo ist Ronny Garbuschewski, der aus der Kaderschmiede des FC Sachsen stammt und der jahrelang eher durch fragwürdige Eskapaden auffiel denn durch sportliche Höhenflüge. Dubiose Autogeschäfte, als ein Porsche gleich dreimal an ahnungslose Kunden verkauft wurde, brachten eine Bewährungsstrafe. Und auch vor zwei Jahren geriet „Garbu“ in die Schlagzeilen. Bei einer bundesweiten Polizeiaktion gegen manipulierte Pokerrunden wurde er wegen des Verdachts auf Verbrechen des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vorläufig festgenommen. Im August 2019 erfolgte die Anklage durch die Staatsanwaltschaft Dresden.

Chemie belohnt sich zu selten für engagierte Spielweise

Seither ist es ruhig geworden, das Verfahren läuft. Seit er 2018 zum BFC wechselte, führt er dort die jüngeren Spieler nach dem großen Umbruch im Kader. In bisher dreizehn Einsätzen erzielte er fünf Treffer in dieser Saison. Sportlich kann sich seine Karriere sehen lassen. So absolvierte er sieben Spiele für Fortuna Düsseldorf in der 1. Bundesliga, 129 Einsätze in der 3. Liga (Chemnitzer FC, FC Energie Cottbus, FC Hansa Rostock und FSV Zwickau), sowie fast 100 Partien (FC Sachsen Leipzig, Chemnitzer FC, Fortuna Düsseldorf II) in den Regionalligen Nord und West. Gefürchtet sind seine Freistöße.

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Nicht nur auf den einstigen Leutzscher werden sich die Chemiker Sonntag konzentrieren müssen. Auch Brumme, Lewandowski (je 4) und Bolyki (6) sind torgefährlich. Der BFC pflegt ein schnelles Umkehrspiel, dem man nur mit hochkonzentrierter Defensivleistung begegnen kann. Andererseits können auch die Grün-Weißen gut nach vorn spielen, wie sie bereits oft bewiesen haben. Nur die Torausbeute ist eben zu knapp, man belohnte sich zu selten für die oft engagierte Spielweise. Deshalb wünscht sich Kapitän Stefan Karau: „Es wird Zeit, dass wir aus den vielen Unentschieden Siege machen. Zu oft stehen wir nach einem gutem Spiel da und haben nur einen Punkt statt der verdienten drei“.

Ganz sicher wird das Trainergespann Miro Jagatic und Christian Sobottka nicht auf Teufel-komm-raus stürmen lassen. Vielmehr wird man aus sicherer Abwehr versuchen, schnell in Nähe des gegnerischen Strafraumes zu gelangen. Wahrscheinlich muss dabei weiterhin auf Philipp Wendt und Marc Böttcher verzichtet werden, Tomas Petracek ist nach Verletzung noch nicht fit für 90 Minuten. Er wird indes dringend benötigt, um sich öfter zu belohnen und den Klassenerhalt möglichst zitterfrei zu schaffen.