05. August 2020 / 20:07 Uhr

"Unklug"-Aussage von Uli Hoeneß: Die letzten Transfers des BVB und des FC Bayern im Check

"Unklug"-Aussage von Uli Hoeneß: Die letzten Transfers des BVB und des FC Bayern im Check

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß hat mit seinen Aussagen über die Transfer-Politik des BVB für Wirbel gesorgt.
Uli Hoeneß hat mit seinen Aussagen über die Transfer-Politik des BVB für Wirbel gesorgt. © Getty/imago images
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Mit seiner unverblümten Kritik an der Transfer-Politik des Erzrivalen Borussia Dortmund hat der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß für reichlich Zündstoff gesorgt. Der SPORTBUZZER macht den Check: Hat Hoeneß recht?

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Das Echo war gewaltig – und mehrstimmig. Auf das Grollen vom Tegernsee, vorgetragen von Uli Hoeneß, folgte eine prompte Antwort. Von BVB-Präsident Reinhard Rauball, Sportchef Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Bayerns Ehrenpräsident hatte die Dortmunder Transferpolitik mitsamt der Strategie, Talente zu sichten, zu entwickeln und teuer zu verkaufen, als "unklug" bezeichnet. Hoeneß' in der FAZ geäußerter Kernvorwurf lautete verkürzt dargestellt: "Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein?" Ein Alleingang der Abteilung Attacke.

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Zorc empfindet Hoeneß’ Vorwürfe als "ziemlich arrogant" und "de facto falsch. Grundsätzlich: Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken." Ohne Hoeneß, der bei Bayern als Vize im Aufsichtsrat keine operative Funktion mehr ausübt, dessen Wort aber nach wie vor großes Gewicht im Verein hat, zu erwähnen, meinte BVB-Boss Watzke gegenüber Bild: "Karl-Heinz Rummenigge und ich bemühen uns seit Jahren darum, dass die beiden größten deutschen Klubs ein respektvolles Verhältnis miteinander pflegen. Ich finde es sehr schade, dass in regelmäßigen Abständen versucht wird, dies zu unterwandern."

Die Transfers von BVB und Bayern im Vergleich

Der SPORTBUZZER hat sich die Transferbilanz der beiden Big Player der Bundesliga in den vergangenen drei Jahren, seit Hasan Salihamidzic im Sommer 2017 als Sportdirektor bei den Bayern installiert wurde, angeschaut. Bewertet wurde der Mehrwert eines Spielers wie auch der mögliche Benefit, den er bei einem Weiterverkauf erbracht hat beziehungsweise (siehe der heiß diskutierte mögliche Wechsel von Jadon Sancho für über 100 Millionen Euro zu Manchester United) erbringen könnte. Das Ergebnis überrascht. Der BVB schneidet etwas besser ab.

Saison 2017/18:

Bayern: Kauft für 116,5 Millionen ein, holt Corentin Tolisso für die (damalige) Rekord-Ablöse der Liga: 41,5 Mio. Der Mittelfeldspieler ist oft verletzt, packt es nicht. Kingsley Coman entwickelt sich als Alternative auf den Außenbahnen, Niklas Süle wird schnell zur festen Größe in der Innenverteidigung. Sebastian Rudy bleibt Ergänzungsspieler, Real-Leihgabe James Rodríguez zeigt zu wenig, Lewandowski-Backup Sandro Wagner erfüllt seinen Zweck. Note: 2-

BVB: Probiert viel (109,84 Mio. in Summe). Kauft international ein (Stürmer Yarmolenko, ein Fehlgriff), beweist Riecher mit Talenten wie Akanji oder Zagadou, landet mit Sancho einen Super-Volltreffer (Ablöse: mickrige acht Mio. an Manchester City). Philipp, Toprak, Dahoud, Toljan sind und bleiben bestenfalls Liga-Durchschnitt. Note: 2-

Hummels, Haaland und Bellingham: Das sind die Rekordtransfers des BVB

Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  Zur Galerie
Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  ©

Saison 2018/19:

Bayern: Salihamidzic glänzt mit drei Mega-Transfers. Die Nationalspieler Leon Goretzka (ablösefrei von Schalke) sowie Serge Gnabry (nach einem Jahr Leihe an Hoffenheim, zuvor acht Mio. an Bremen) und das kanadische No-Name-Talent Alphonso Davies (10 Mio.) sind heute Stammspieler und Leistungsträger, haben ihren Marktwert verzigfacht. Note: 1+

BVB: Gibt viel mehr (90,50 Mio.) aus – und hat Erfolg. Delaney und Witsel verstärken das Mittelfeld, Torjäger Alcácer (zunächst Leihe) schlägt ein, Hakimi (für zwei Jahre von Real geliehen) wird Stammspieler. Lediglich Diallo, Balerdi und Wolf entwickeln sich nicht, sind bereits weiterverkauft oder verliehen. Note: 2

Das sind die Rekordtransfers des FC Bayern

Lucas Hernandez, Javi Martinez und Leroy Sané: Nur drei der teuersten Neuzugänge der Vereinsgeschichte des FC Bayern. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Rekordtransfers des Rekordmeisters. Zur Galerie
Lucas Hernandez, Javi Martinez und Leroy Sané: Nur drei der teuersten Neuzugänge der Vereinsgeschichte des FC Bayern. Der SPORTBUZZER zeigt die Rekordtransfers des Rekordmeisters. ©

Saison 2019/20:

Bayern: Für 143,50 Mio. holen die Münchner sieben Neue, einzig Benjamin Pavard wird als Rechtsverteidiger unverzichtbar. 80-Millionen-Euro-Mann Lucas Hernández kämpft sich nach Verletzung heran, findet nicht in die erste Elf. Cuisance blüht am Ende der Saison auf, hat Potenzial. Und die Leihgeschäfte? Philippe Coutinho (FC Barcelona) glänzt ganz, ganz selten, Alvaro Odriozola (Real) gar nicht. Einzig Ivan Perisic (Inter) wird eventuell fest verpflichtet. Note: 3-

BVB: 148,50 Mio. Ausgaben. Man holt Mats Hummels als Abwehrboss zurück aus München. Brandt, Haaland und Can (Letztere kamen Winterpause) sind Top-Transfers, Schulz und Hazard dagegen Mitläufer beziehungsweise Bankdrücker. Note: 1

Ab September wird sich zeigen, ob der BVB mit Bellingham und Thomas Meunier (ablösefrei von PSG) oder Bayern mit Leroy Sané (45 Mio.) sowie Talent Tanguy Nianzou (ebenfalls ablösefrei von PSG) und Ersatztorhüter Alexander Nübel (ohne Ablöse aus Schalke) besser eingekauft hat.