17. Mai 2019 / 06:05 Uhr

Brian Hamalainen erlebt bei Dynamo Dresden ein Jahr voller Überraschungen

Brian Hamalainen erlebt bei Dynamo Dresden ein Jahr voller Überraschungen

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Brian Hamalainen ist mit seinem ersten Jahr bei Dynamo persönlich ganz zufrieden. Mit der Mannschaft hätte der Däne freilich gern etwas weiter oben in der Tabelle mitgespielt.
Brian Hamalainen hatte Deutsch nur in der Grundschule, spricht und versteht es nach einem Jahr in Dresden aber sehr gut. © Jochen Leimert
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Der dänische Linksverteidiger ist trotz Abstiegskampf und drei Trainern in einer Spielzeit mit seiner ersten Saison in Deutschland zufrieden. Interviews gibt er jetzt auch auf Deutsch. 

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Dresden. Gewiss sind nicht alle Träume gleich in Erfüllung gegangen, aber einige schon, deshalb hat Brian Hamalainen den Schritt nach Deutschland keine Sekunde lang bereut. Die persönliche Saisonbilanz des dänischen Linksverteidigers fällt positiv aus: „Ich bin zufrieden mit meinem ersten Jahr bei Dynamo. Wenn ich gesund war, habe ich viel vor viel mehr Leuten und in größeren Stadien gespielt als in Belgien und Dänemark. Das habe ich mir zwar vorher erhofft, aber sicher kann man sich da nie sein. Überrascht hat mich, dass mich Maik Walpurgis gleich in den Mannschaftsrat geholt hat. Das war eine große Anerkennung.“

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Brian-Bilanz lässt sich sehen

Auf bislang 20 Einsätze (davon 19 Mal in der Startelf) und ein Tor brachte es der 29-Jährige, der im Sommer vom belgischen Erstligisten Zulte Waregem an die Elbe gewechselt war. Eine ordentliche Ausbeute, die noch viel besser hätte ausfallen können, wenn ihn nicht eine zweiwöchige Adduktorenverletzung im November und eine komplizierte Rückengeschichte im Frühjahr, die in den Kopf hinein ausstrahlte, ausgebremst hätten. Besonders letztere war eine große Belastung für den Routinier: „Was das genau war und woher das kam, weiß ich nicht. Ich war im Winter noch mit im Trainingslager, bin dort auch nicht unglücklich gestürzt, aber irgendwie bekam ich Probleme. Beim Aufstehen hatte ich Kopfschmerzen und so musste ich im Bett bleiben, durfte nur zum Essen raus und zur Toilette gehen. Ich habe Tabletten bekommen und musste warten, bis es besser wurde. Viel mehr als fernsehen konnte ich nicht machen.“

Comeback nach Verletzungspause

So musste er nach dem 0:0 gegen Regensburg Mitte Februar eine lange Pause einlegen, konnte erst vor dem Spiel in Ingolstadt (0:1) Ende April wieder richtig trainieren. „Das ging erst ganz langsam los, mit zehn Minuten Fahrrad fahren, dann zwanzig und so haben wir das Programm langsam gesteigert. Irgendwann konnte ich auch wieder Kopfbälle machen“, blickt er ungern zurück. Umso erleichterter ist der Mann mit dem markanten Irokesen-Schnitt, dass er jetzt wieder voll einsatzfähig ist. Beim 0:3 in Kiel wechselte ihn Trainer Cristian Fiel ein, 18 Minuten lang konnte der einstige Stammspieler so noch Spielpraxis sammeln. Dafür ist der Mann, der bei Lyngby BK in Dänemark ausgebildet wurde und 2011 nach Belgien zu Zulte Waregem, dem KRC Genk und wieder zu Waregem wechselte, Fiel sehr dankbar: „Er hat vom ersten Tag an gesagt, dass er auf mich wartet, bis ich wieder fit bin.“

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Saisonabschluss gegen Paderborn?

Jetzt hat Hamalainen wieder „ein sehr gutes Gefühl“ und hofft, beim Saisonfinale gegen den SC Paderborn (Sonntag, 15.30 Uhr) noch einmal kicken zu dürfen: „Natürlich würde ich gern das ganze Spiel machen, aber ich glaube, ich muss realistisch sein: Eine Halbzeit wäre schon ganz gut.“ Die Ostwestfalen, die das Hinspiel 3:0 gewannen, haben ihn damals beeindruckt: „Das ist eine sehr starke Mannschaft mit sehr viel Power, die auch gut kontern kann. Sie hätte den Aufstieg verdient. Am Sonntag wird es ein ganz schwieriges Spiel, denn die Paderborner werden hier mit 110 Prozent auflaufen.“


Konzept „Fielo" fruchtet nach unruhiger Saison

Ein bisschen so wie die Blau-Schwarzen würde Hamalainen in der kommenden Saison gern auch mit Dynamo spielen. „Ich denke, dass das mit der Idee von Cristian Fiel möglich ist. Das Konzept von Maik Walpurgis hat einigen Spielern nicht so gefallen. Sie können sich eher mit dem von ,Fielo’ identifizieren. Wir brauchen aber mehr Disziplin im Spiel mit und ohne Ball“, glaubt der Verteidiger, u. a. das Pressing müsse man optimieren. Gelingt das, dann sei auch eine bessere Platzierung drin. Die hatte sich Hamalainen mit seinem neuen Verein eigentlich schon in diesem Jahr erhofft: „Ich dachte schon, dass wir in der oberen Tabellenhälfte mitspielen könnten. Es war aber eine sehr unruhige Saison.“ Für ihn waren gleich drei Trainer in einer Spielzeit eine neue Erfahrung: „Ich hatte in Belgien mal vier Trainer, aber in vier Jahren. Dort und in Dänemark sind Trainerwechsel nicht so häufig wie hier, das ist wohl auch eine Geldfrage.“

Skandinavische Dynamo-Runden

Privat hat sich der Abwehrspieler in Sachsen ganz gut eingelebt. Mit seiner Frau Nina und zwei Vierbeinern, einem Schäferhund und einem Labrador-Border-Collie-Mischling, fühlt er sich im Dresdner Umland wohl. Ab und zu geht er in Ullersdorf golfen, die Anlage liegt nur eine Viertelstunde von seiner Wohnung entfernt. „Ich mag die Ruhe auf dem Land, muss nicht nach Berlin oder Prag fahren.“ Gern treffen sich Nina und er mit Dario Dumic und Linus Wahlqvist und deren Lebensgefährtinnen zu einer skandinavischen Dynamo-Runde. Für Heimaturlaub in Dänemark war aber nur im Winter Zeit.

Der nächste Abstecher heim nach Själland aber ist nicht mehr fern. „Nach dem Spiel in Senftenberg fahren wir gleich hoch nach Puttgarden und von dort mit der Fähre nach Dänemark“, freut sich Hamalainen schon. Im heimatlichen Lyngby, 30 Minuten nördlich von Kopenhagen, gibt es etwas zu feiern, denn am 23. Mai wird Nina 30 Jahre alt, sechs Tage später auch ihr Mann: „Das feiern wir zusammen und dafür haben wir bei meinem Heimatverein einen Raum gemietet. Dort werden wir ganz locker grillen, etwa 60 Leute werden kommen.“

Später fliegt das Paar noch für sechs Tage nach Griechenland, ehe schon bald wieder die Vorbereitung bei Dynamo beginnt. Für eine Saison, an deren Ende hoffentlich Spieler, Trainer, Sponsoren und Fans rundum zufrieden sind. Damit die holprige aktuelle Spielzeit wenigstens einen halbwegs versöhnlichen Abschluss findet, wünscht sich der Däne am Sonntag einen Sieg im Harbig-Stadion. Zwar gönne er den Gästen aus Paderborn den Durchmarsch in die Bundesliga, „aber wenn nur die hier in unserem Stadion feiern, wäre das nicht nach meinem Geschmack“.