13. Dezember 2021 / 21:01 Uhr

Bester Neuzugang seit Jahren? RB Leipzig setzt auch in Augsburg auf Gvardiol

Bester Neuzugang seit Jahren? RB Leipzig setzt auch in Augsburg auf Gvardiol

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Joško Gvardiol zeigt im Trikot der Roten Bullen gute Leistungen.
Joško Gvardiol zeigt im Trikot der Roten Bullen gute Leistungen. © Getty Images
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Die Roten Bullen aus Leipzig wollen nach den Siegen in der Champions League und der Bundesliga ihre Leistung bestätigen und beweisen, dass die überzeugenden Auftritte keine Eintagsfliegen waren. Dazu braucht es aber Spieler, die alles reinhauen - Spieler wie Joško Gvardiol.

Leipzig. Ja, das 4:1 der Roten Bullen gegen Gladbach erinnerte an Zeiten, als sächsische Winde durch bayerische Lederhosen wehten und der Titelkampf kurzzeitig einer war. Ja, in dieser Form wird der Abstand zu den Champions-League-Plätzen stündlich schmelzen. Nein, wer gegen Manchester City und Mönchengladbach gewinnt, gewinnt nicht mal eben so gegen weniger prominente Fußballer.

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Tedesco braucht Typen

Am Mittwoch, 20.30 Uhr, wird die Partie AugsburgRB angepfiffen. Die Augsburger können viel und schnell rennen, lieben Zweikämpfe. Am Sonnabend, 15.30 Uhr, steigt in der Red-Bull-Arena gegen Arminia Bielefeld das finale Leipziger Spiel des Jahres. Die Bielefelder können viel und schnell rennen, lieben Zweikämpfe.

DURCHKLICKEN: Das 4:1 vom Dezember 2021

Souverän und abgeklärt: RB Leipzig findet durch einen 4:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach zurück in die Erfolgsspur. Zur Galerie
Souverän und abgeklärt: RB Leipzig findet durch einen 4:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach zurück in die Erfolgsspur. ©

Der neue RB-Coach Domenico Tedesco wird den Seinen einbläuen, dass fußballerische Klasse das eine und Leidenschaft das andere ist. Will heißen: Wer im Augsburger Permafrost mit Handwärmern und langen U-Hosen aufläuft, hat schon verloren. Tedesco braucht Typen, die bei 30 Grad plus und zehn Grad minus funktionieren. Typen, die zuletzt an sich selbst zweifeln. Typen wie: Joško Gvardiol. Dieser besondere 19-Jährige hat es innerhalb kurzer Zeit in die Herzen der RB-Fans geschafft.

„Mach et, Joško!“

Vorschusslorbeeren aus England: Die 1821 gegründet britische Tageszeitung „The Guardian“ überrascht den sport-affinen Teil der Leserschaft regelmäßig mit hübschen „Wer-kickt-gut?“-Ranglisten. Im Oktober 2019 wurde diese Rubrik aufs Geburtsjahr 2002 runtergebrochen. Damals schaffte es Joško Gvardiol in die Liste der 60 talentiertesten Spieler der Welt.

Im September 2020 gab RB bekannt, dass man sich mit jenem jungen Kroaten und Dinamo Zagreb auf einen Wechsel geeinigt hat. Ablöse: Runde 17 Millionen Euro. Vertrag bis 2026. Gvardiol hatte diverse Offerten vorliegen, aber nur eines im Sinn: Er wollte zu einem Club, der ihn wirklich braucht und permanent kicken lässt. Alsdann fragte er bei seinem Ex-Dinamo-Kollegen Dani Olmo nach. Der bei RB zum spanischen Nationalspieler gereifte Olmo sagte sinngemäß: „RB und Du, das passt; Joško! Und an jedem Ersten im Monat schlägt Geld auf dem Konto auf, Joško! Mach et, Joško!“

Gvardiol ist da, Moriba noch nicht

Joško tat, wie ihm geheißen. Gute Entscheidung. Gvardiol ist Stammspieler, gilt als bester Leipziger Neuzugang seit Jahren, stand in 21 von 23 Pflichtspielen auf dem Platz, ist mit 34,57 km/h ähnlich schnell wie sein Vorgänger Dayot Upamecano auf den Beinen, kann mit beiden Beinen einen geraden Pass spielen, hat die altdeutsche Grätsche wiederbelebt, ist auch in der Luft klasse. Beim 4:1 gegen Gladbach schwang sich der Ehrfurcht Gebietende zum Spielmacher aus der Abwehr heraus auf, dribbelte mehr als einmal dynamisch durchs Mittelfeld und rammte eine Angelino-Flanke zum 1:0 ins Netz. Gvardiol sieht aus, spielt und benimmt sich, als würden seine Kinder demnächst eingeschult werden. Sagen wir es so: Es gibt angenehmere Aufgaben, als gegen diesen Bären von einem Mann Fußball zu spielen. Kinder hat er übrigens keine.


Früh reif: Gvardiol spielte schon mit 17 Jahren in der höchsten kroatischen Spielklasse, absolvierte mit 18 Europa-League-Spiele, war bei der EM 2021 Stammspieler der Kroaten. Der Gegenentwurf zu Gvardiol heißt Ilaix Moriba. Das für 16 Millionen Euro vom FC Barcelona losgeeiste Mittelfeld-Talent wohnt zwar in Leipzig, ist aber noch nicht in Leipzig angekommen. Moribas Bilanz: Sechs Einsätze, 100 Spielminuten. Vielleicht sollte der 18-Jährige einfach mal schauen, wie sich sein bärtiger Kollege auf Arbeit verhält.