21. Juni 2021 / 12:48 Uhr

Benjamin Kirsten beendet Karriere und bekommt neue Rolle bei Dynamo Dresden

Benjamin Kirsten beendet Karriere und bekommt neue Rolle bei Dynamo Dresden

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
kirsten
Benjamin Kirsten war zuletzt TV-Fußballexperte. Nach Ende seiner Spielerkarriere begibt er sich nun bei Dynamo auf neue Wege. © Imago Images/Sven Sonntag
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Benjamin Kirsten stand für Dynamo Dresden 124 Mal in der zweiten und dritten Liga auf dem Platz. Nun hat der 34-Jährige seine Karriere beendet und eine Umschulung zum Sportfachwirt begonnen. Zudem verstärkt er bei den Schwarz-Gelben das Expertenteam im Bereich der Torhüter.

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Dresden. Am Donnerstag jährt sich Benjamin Kirstens komplizierte Meniskus-Operation zum ersten Mal. Ende Juni 2020 hatten ihm Experten in Koblenz das Knorpelgewebe eines verstorbenen Organspenders eingesetzt, um das lädierte Knie zu reparieren. Dynamo Dresdens einstiger Torwart verband mit dem komplizierten Eingriff vor allem die Hoffnung, im Alltag wieder beschwerdefrei zu sein und vielleicht eines Tages sogar auf den Fußballplatz zurückkehren zu können. Monatelang verbrachte der mittlerweile 34-Jährige in der Reha. Nun aber gelangte er zur Erkenntnis, dass es für den Profisport nicht mehr reicht.

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Früher schon SGD-Nachwuchskeeper trainiert

Am Montag verkündete der gebürtige Riesaer, Sohn von Vereinslegende Ulf Kirsten, sein Karriereende. Zuerst hatte sächsische.de darüber berichtet. Zuvor hatte Dynamo Dresdens Sport-Geschäftsführer Ralf Becker aufhorchen lassen, als er am Rande des Auftakttrainings eher beiläufig etwas erwähnte, das eigentlich noch gar nicht spruchreif ist: „Benny“ Kirsten ist nach sechs Jahren zurück bei den Schwarz-Gelben! Neben Torwarttrainer David Yelldell sei er im Verein einer der Experten für die Position des Schlussmanns, auf der Kevin Broll den Stammplatz besetzt und für die sich der Russe Anton Mitryushkin in dieser Woche mit einem Probetraining anbietet.

BILDER aus der Karriere von Benjamin Kirsten

2. Mai 2009 - Erstes Spiel von Benjamin Kirsten in der 3. Liga. Dynamo war bei Fortuna Düsseldorf zu Gast. (@ Eibner) Zur Galerie
2. Mai 2009 - Erstes Spiel von Benjamin Kirsten in der 3. Liga. Dynamo war bei Fortuna Düsseldorf zu Gast. (@ Eibner) ©

Wie sich jetzt herausstellte, schlägt Kirsten Junior bei Dynamo tatsächlich das erste Kapitel nach seiner Laufbahn als Aktiver auf. Am 1. August beginnt der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann eine Umschulung zum Sportfachwirt. Als Partner fungieren dabei die Sportgemeinschaft sowie die Berufsgenossenschaft VBG, die als größter Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland gilt und unter anderem eine Weiterbildungsakademie im Norden Dresdens unterhält. Da aktuell nicht sämtliche Details geklärt sind, hat sich Benjamin Kirsten allerdings noch nicht näher dazu geäußert. Jedenfalls wirkt er künftig bei der Sichtung, Ausbildung und Leistungsanalyse der Torhüter mit.

Bereits in seiner aktiven Zeit bei den Dynamos von 2008 bis 2015 trainierte „Benny“ nebenbei die SGD-Nachwuchskeeper. Vor allem aber hatte er vor zehn Jahren Anteil am damaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo er anschließend über mehrere Spielzeiten einen Stammplatz im Dresdner Kasten hatte und es auf somit auf 124 Einsätze für die Profimannschaft brachte. Zweimal wurde infolge überzeugender Leistungen sein Vertrag verlängert – bis ihm der damalige Sport-Geschäftsführer Ralf Minge, ein alter Kumpel seines Vaters Ulf, im Frühjahr 2015 eröffnete, dass der damals neuverpflichtete Trainer Uwe Neuhaus mit anderen Torleuten plane.

Hatte Hoffnung auf Comeback

Für Publikumsliebling Benjamin Kirsten ein Tiefschlag – und ein Karriereknick, wie sich herausstellen sollte. Denn die Suche nach einem neuen Arbeitgeber gestaltete sich schwierig. Nach einigen Wochen Vereinslosigkeit heuerte er zunächst für einige Monate beim niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen an. Danach war er fast ein Jahr ohne Klub. Die lange Leidenszeit dauerte an, bis er Ende 2016 zu Viertligist Lokomotive Leipzig wechselte und noch mal aufblühte – Chefcoach dort war seinerzeit der nunmehrige Dynamo-Co-Trainer Heiko Scholz, ein weiterer einstiger Ulf-Kirsten-Weggefährte.

Vor einem Jahr einigte sich der einst in der Nachwuchsabteilung von Bayer Leverkusen ausgebildete Benjamin Kirsten, der mit seiner Familie in Bannewitz vor den Toren Dresdens wohnt, mit dem 1. FC Lok nach 61 Einsätzen binnen fast vier Jahren auf die Vertragsauflösung. Das schon deutlich geschundene Knie machte nicht mehr mit, die Operation war fällig, anschließend wollte er sich auf die Reha konzentrieren. Nebenbei war „Benny“ zuletzt als Experte bei Fußball-Übertragungen im MDR-Fernsehen zu sehen.

Vor einem Monat blickte er mit besonderer Spannung auf das Sachsenpokal-Duell zwischen seinen Ex-Vereinen Dynamo und Lok, das die Leipziger gegen eine Dresdner B-Elf mit 4:0 gewannen. Kirsten hatte in dem Zusammenhang noch Mitte Mai sein eigenes Comeback zumindest nicht explizit ausgeschlossen, wollte dahingehend aber auch keine voreilige Prognose abgeben: „Dafür sind die Erfahrungen nach einem solchen Eingriff zu gering, vor allem im Leistungssport“, sagte er. Nun, genau ein Jahr nach der OP, begibt er sich mit seiner „alten Liebe“ auf neue Wege.