26. Februar 2021 / 10:34 Uhr

Bayern-Juwel und DFB-Hoffnung wird 18: So tickt Nachwuchs-Talent Jamal Musiala

Bayern-Juwel und DFB-Hoffnung wird 18: So tickt Nachwuchs-Talent Jamal Musiala

Patrick Strasser und René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jamal Musiala gilt als eine der Hoffnungen des FC Bayern und der deutschen Nationalelf.
Jamal Musiala gilt als eine der Hoffnungen des FC Bayern und der deutschen Nationalelf. © IMAGO/Poolfoto/Getty (Montage)
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Jamal Musiala wird am Freitag 18 Jahre alt. Und schon jetzt weckt Youngster des FC Bayern Begehrlichkeiten. Zuletzt entschloss er sich, künftig für die DFB-Auswahl auflaufen zu wollen. Der SPORTBUZZER blickt auf den nicht vollends üblichen Werdegang der Nachwuchshoffnung.

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Dieser Freitag ist der größte Tag im Leben des Jamal Musiala. Der Jungstar des FC Bayern München wurde am Dienstag beim 4:1 der Münchner im Achtelfinalhinspiel bei Lazio Rom mit seinem Tor zum jüngsten deutschen Torschützen der Champions-League-Geschichte – und zugleich zum jüngsten im Trikot des FC Bayern. Am Mittwoch gab der Deutsch-Brite seine Entscheidung bekannt, künftig für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen, samt großem Echo: Begeisterung hier, Wut dort.

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Und an diesem Freitag darf Musiala, der bei der EM in diesem Sommer als großer Hoffnungsträger des Teams von Bundestrainer Joachim Löw gilt, Auto fahren, endlich ist er volljährig. Zeitnah soll er bei den Bayern einen deutlich besser dotierten Profivertrag bis 2026 unterschreiben. Ganz schön viel zu feiern rund um einen 18. Geburtstag.

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Doch wer ist der Teenager, der täglich von seiner Mutter Carolin in einem kleinen VW Polo die rund 20 Minuten Fahrtzeit von Feldkirchen im Osten der bayerischen Landeshauptstadt, wo Jamal mit seiner Mama und seinen Geschwistern wohnt, zum Training an der Säbener Straße und zurück kutschiert wird? Den "Job" ist sie wohl bald los.

Alles begann beim TSV Lehnerz

Die Bindung zwischen ihm und seiner Mutter, einer Deutschen, ist sehr eng. Er wurde in Stuttgart geboren, sein Vater stammt aus Nigeria. Aufgrund des Studiums seiner Mutter Carolin kam der kleine Jamal, noch nicht mal Schüler, nach Fulda und kickte in Osthessen für den TSV Lehnerz (heute SG Barockstadt Ful­da-­Leh­nerz). Sein erster Jugendtrainer beim TSV erinnert sich an die erste Begegnung im Februar 2007. "Jamal wollte einfach mal mittrainieren. Seine Mutter hat uns gesagt, dass er Spaß am Fußball hat und im Verein spielen möchte", sagt Branko Milenkovski dem SPORTBUZZER und gerät ins Schwärmen: "Ich war gleich von ihm beeindruckt. Die anderen Jungs waren schon fünf, sechs Jahre alt. Jamal war gerade erst vier geworden. Einen Unterschied hat man überhaupt nicht gemerkt."

Beim TSV Lehnerz waren alle von Ausnahmetalent Musiala begeistert. "Er war klein, schnell, sehr flink und hatte einfach Spaß am Fußball", erzählt Milenkovski, "Jamal hat sich super entwickelt und viele Jahre mit zwei Jahre älteren Jungs zusammengespielt. Einmal ha­ben wir ihn in seine eigentliche Altersklasse gegeben. Aber da meinte der Trainer, dass er mit seinen Qualitäten zurück zu uns muss." Zu gut, der Bursche. Zu viele Tore, fast in jedem Spiel. Und ein schwitzender Papa. Milenkovski: "Er hat so mitgefiebert und ist die Seitenlinie immer rauf und runter gelaufen." Heute lebt Daniel Richard in London.

Musiala landet auf der Insel

Eine der Stationen, die Jamal in jungen Jahren erlebt hat. Weil seine Eltern für ein Auslandssemester von Mutter Carolin nach Southampton zogen, musste er Fulda als Siebenjähriger verlassen. Über die Jugend des FC Southampton und einige Probetrainings landete das große Talent nur vier Monate später beim FC Chelsea, einem der Topklubs der Premier League. Dort stehen mit Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger aktuell drei deutsche Nationalspieler unter Vertrag.

Für die nächsten achteinhalb Jahre wurde Musiala auf der Insel heimisch. "Ich bin richtig glücklich über die Jahre in England", sagte der 17-Jährige der Fuldaer Zeitung. Musiala ist ein ruhiger Typ, sehr freundlich und höflich. Spricht er Deutsch, hört man einen leichten britischen Akzent heraus. "Mein Deutsch ist noch nicht perfekt, aber ich verstehe die Sprache", sagte das Supertalent, das beide Staatsbürgerschaften besitzt.

Die jüngsten Bundesliga-Debütanten der Geschichte

Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. Zur Galerie
Jamal Musiala (von links), Youssoufa Moukoko und Florian Wirtz zählen zu den jüngsten Bundesliga-Spielern der Geschichte. ©

Der Weg zurück nach Deutschland

Nach acht Jahren in der Jugend der Blues wechselte Musiala als 16-Jäh­ri­ger im Sommer 2019 nach München. Nach dem Motto "Zwei Fliegen mit einer Klappe", denn: Carolin wollte wegen des "Brexit", Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union, zurück in die Heimat, und außerdem lockte der FC Bayern. "Es gab ein paar Interessenten in Europa, aber ich habe Bayern von klein auf immer geliebt", verrät Musiala, der zum Angebot des Rekordmeisters „nicht Nein sagen“ konnte.

In Bayerns B-Jugend bekam er sofort die Rückennummer 10, Coach Miroslav Klose nahm ihn unter seine Fittiche. Im Juni 2020 debütierte er unter Trainer Hansi Flick, dessen Assistent Klose seit Beginn der laufenden Saison ist, bei den Profis. Dieses Jahr macht er das englische Abitur (A-Level) zu Ende und soll bei der EM mithelfen, dass Deutschland den Titel holt. Im Finale in seiner zweiten Heimat London. Wäre eine schöne Pointe.