15. August 2020 / 17:16 Uhr

Die letzte Chance vor dem Ausverkauf? Olympique Lyon hofft auf ein Wunder gegen Manchester City

Die letzte Chance vor dem Ausverkauf? Olympique Lyon hofft auf ein Wunder gegen Manchester City

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Tafelsilber von Olympique Lyon: Memphis Depay (links) und Houssem Aouar könnten den Verein im Sommer verlassen.
Das Tafelsilber von Olympique Lyon: Memphis Depay (links) und Houssem Aouar könnten den Verein im Sommer verlassen. © imago images/Montage
Anzeige

Olympique Lyon hätte nur noch durch den Titel in der Champions League Hoffnungen, nächste Saison international zu spielen. Ansonsten droht dem Klub der Verkauf der Stars um Memphis Depay und Houssem Aouar.

Anzeige

Es sind bedrohliche Zahlen, die Jean-Michel Aulas zuletzt in die Welt hinausposaunte. Der frühe Saison-Abbruch der Ligue 1 durch die Coronavirus-Pandemie habe Olympique Lyon bereits 100 Millionen Euro gekostet, klagte der Präsident des Vereins. Schließlich stand der regelmäßige Europapokal-Teilnehmer nur auf dem siebten Rang und verpasste die internationalen Startplätze für die kommende Saison. "Die finanzielle Lage der französischen Klubs ist schrecklich", sagte Aulas.

Anzeige
Mehr vom SPORTBUZZER

Es könnte noch viel schlimmer kommen. "Wenn wir nicht in Europa spielen, verlieren wir weitere 80 Millionen Euro. Und das ist schrecklich für den Klub", sagte Aulas. Dann droht der Ausverkauf der hochtalentierten Mannschaft. Die großen Stars um Memphis Depay, Houssem Aouar und den Stürmer Moussa Dembélé müssten im Sommer zu Geld gemacht werden. Letzte Chance, dies zu verhindern: der Sieg in der Champions League. Nur so könnte der Klub doch noch das Ticket für die Königsklasse der nächsten Saison lösen. Allerdings müsste OL dafür am Samstag im Viertelfinale erst einmal gegen Manchester City gewinnen (21 Uhr, Liveticker).

Mulder schwärmt von BVB-Transferziel Depay

Die größten Hoffnungen setzen die Anhänger von Lyon in den niederländischen Offensivstar Memphis Depay, der schon maßgeblich daran beteiligt war, dass Olympique im Achtelfinale den italienischen Meister Juventus Turin ausschaltete. "Er ist der Führungsspieler im Team", sagt Youri Mulder dem SPORTBUZZER. "Memphis ist schnell, abschlussstark – und spielt beeindruckend", so der ehemalige Stürmer des FC Schalke. Er kennt Depay gut und begleitete seine Karriere als Experte für das niederländische Fernsehen. Besonders beeindruckt ist er von der Entwicklung vom Flügelspieler zum durchsetzungsstarken Stürmer. "Er ist körperlich stark, spielt intuitiv und hat die Qualität, auch an einem Spieler vorbeizugehen", sagt Mulder.

Das sind die größten Wunder der Champions League

Die Champions League: Ein moderner Mythos, der immer wieder dramatische Geschichten schreibt. Der SPORTBUZZER hat die größten Wunder der CL-Historie in einer Bildergalerie zusammengefasst. Zur Galerie
Die Champions League: Ein moderner Mythos, der immer wieder dramatische Geschichten schreibt. Der SPORTBUZZER hat die größten Wunder der CL-Historie in einer Bildergalerie zusammengefasst. ©

Der 26-Jährige beeindruckt nicht nur Mulder – auch Topvereine sollen auf den Kapitän aufmerksam geworden sein. Unter anderem Milan und Borussia Dortmund wurden zuletzt mit ihm in Verbindung gebracht. Allerdings scheint ein BVB-Transfer durch den Verbleib von Jadon Sancho weniger realistisch. Eine Rückkehr zu Manchester United, wo er sich zwischen 2015 und 2017 nicht richtig durchsetzen konnte, stand zuletzt ebenfalls im Raum. Für Mulder käme ein Wechsel zum falschen Zeitpunkt. Depay kommt gerade erst von einer Kreuzbandverletzung zurück, ist noch nicht bei voller Leistungsstärke. "Er muss wieder Spiele machen. Für einen neuen Verein ist es nicht die richtige Zeit", sagt Mulder. Allerdings: Depays Vertrag läuft 2021 aus. Verlängert der Niederländer nicht bei OL, besteht im Sommer die letzte Chance, Geld mit ihm zu machen. "Sein Berater hat mir gesagt, dass er über einen Abgang nachdenkt, falls wir es nicht nach Europa schaffen", sagte zudem Aulas Le Progrès.

Aouar vor Wechsel zu Manchester City

Ohnehin weiß Aulas, dass es wenige Chancen geben könnte, die Topstars in diesem Sommer trotz gültiger Verträge zu halten. "Profis, die in europäischen Wettbewerben spielen möchten, könnten natürlich gehen wollen, weil wir dieser Option beraubt wurden", sagte der Klubchef. Dazu gehört ganz sicher auch Top-Talent Houssem Aouar, von dem Willy Sagnol im Gespräch mit dem SPORTBUZZER schwärmt. "Er kann ein super Achter werden. Er ist Toni Kroos ein wenig ähnlich. Er hat eine super Technik, ist fußballerisch sehr klug. Er hat so ein großes Potenzial, dass er ein super Spielmacher sein kann", sagte der Ex-Profi des FC Bayern. Allerdings sei er noch zu inkonstant in seinen Leistungen. "Wir sehen noch nicht sein Potenzial, dabei ist das riesig. In der Champions League macht er oft wirklich gute Spiele, in der Liga taucht er aber viel zu häufig ab", so Sagnol.

Alle Sieger der Champions League

Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  Zur Galerie
Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  ©

Dennoch scheint ein Wechsel des 22-Jährigen im Sommer bereits beschlossene Sache zu sein, wie die L’Équipe berichtet. Ausgerechnet Viertelfinal-Gegner Manchester City soll als größter Interessent gelten. Das Portal transfermarkt.de bewertet seinen Marktwert mit 49,5 Millionen Euro – die Ablöse dürfte aber höher ausfallen. Das französische Toptalent hat noch einen Vertrag bis 2023. "Wir müssen ihn nicht verkaufen, aber falls es ein großes Angebot gibt, ist die Tür nicht geschlossen", erklärte OL-Präsident Aulas kürzlich bei Goal.

Nur der Titel rettet Lyon

Einzig der Titel in der Champions League könnte Olympique Lyon also vor dem Ausverkauf retten – und damit vor einer dunklen Zukunft. Ohne die Topstars im Kader könnte es auch in der kommenden Saison schwer werden, sich für Europa zu qualifizieren. Mulder glaubt aber, dass Lyon stark zurückkommt: "Gute Ausbildung zeichnet den Klub auf. Die besten Spieler wurden Lyon immer weggekauft, trotzdem kamen gute neue Spieler nach."