21. Oktober 2019 / 09:58 Uhr

Aue-Held Martin Männel: Auf dem Weg zur Legende im Erzgebirge

Aue-Held Martin Männel: Auf dem Weg zur Legende im Erzgebirge

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
 Der pure Wahnsinn: Martin Männel wird in der zehnten Minute der Nachspielzeit zum Elfmeter-Helden für Erzgebirge Aue gegen Nürnberg.
Der pure Wahnsinn: Martin Männel wird in der zehnten Minute der Nachspielzeit zum Elfmeter-Helden für Erzgebirge Aue gegen Nürnberg. © imago images/Picture Point LE
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Torwart Martin Männel aus Velten ist Kapitän bei Fußball-Zweitligist Aue – bald könnte er Rekordspieler des Traditionsvereins aus Sachsen werden.

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Die Länderspielpause nutzte Martin Männel seit langem mal wieder für einen Besuch in Velten. „Wir haben uns ein schönes Wochenende in der Gegend gemacht. Ich habe dem Großen mal den Fernsehturm in Berlin gezeigt“, sagt der Torhüter von Fußball-Zweitligist Erzgebirge Aue. Seit mehr als elf Jahren schnürt der 31-Jährige, der in Hennigsdorf geboren wurde, seine Fußballschuhe für die Veilchen aus Sachsen. Im Erzgebirge hat er längst ein neues Zuhause gefunden. Abstecher nach Oberhavel sind selten geworden für den Schlussmann und seine Familie – gemeinsam mit Ehefrau Doreen und den Söhnen Anton (7) und Max (1) hat er Wurzeln in Aue geschlagen. „Die freien Wochenenden sind rar“, sagt Männel, „deshalb sind wir nicht mehr ganz so oft hier. Eher kommt uns die Familie im Erzgebirge besuchen.“

Das Fußball-Abc lernte der Torwart erst beim FSV Velten 90 und später beim Nachfolgeverein SC Oberhavel. Natürlich hatte Martin Männel schon damals den Traum, den viele junge Fußballer in diesem Alter haben: einmal Fußballprofi werden. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach, erinnert sich der Zweitliga-Keeper. „Mit zwölf Jahren bin ich nach Cottbus aufs Internat gewechselt, da war man früh auf sich allein gestellt und ist schnell selbstständig geworden.“ Damals kam er noch häufigerzu den Eltern in die Ofenstadt. „Im ersten Jahr bin ich fast jedes Wochenende nach Hause gefahren, immer mit dem Zug hin und zurück, das waren lange Fahrten.“

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Männel durchlief beim FC Energie die Nachwuchsausbildung, stieg in der Lausitz zum Stammkeeper der zweiten Mannschaft auf und schaffte den Sprung in die U19-Nationalmannschaft. 2008 dann der Wechsel zum FC Erzgebirge Aue. Für den Traditionsverein hat der Veltener erst kürzlich sein 250. Zweitliga-Spiel absolviert – nur ein aktiver Profi im Unterhaus des deutschen Fußballs hat mehr Einsätze. „Hätte man mich nicht ein paar Tage vorher darauf angesprochen, hätte ich das nicht auf dem Schirm gehabt“, gibt er zu. Zum Jubiläum gab es einen 4:1-Sieg gegen den Sachsen-Rivalen Dynamo Dresden. „Ausgerechnet gegen Dresden“, sagt Männel, „das hat gepasst!“

Überhaupt läuft es in dieser Spielzeit bislang ziemlich gut für die Auer. Am Freitagabend wurde Männel beim 4:3-Sieg über den 1. FC Nürnberg zum gefeierten Elfmeter-Helden, als er einen Strafstoß in der Nachspielzeit pariert. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel Lehrgeld gezahlt. Jetzt nehmen wir auch aus engen Spielen etwas mit, das zeichnet die Mannschaft zur Zeit aus“, erklärt Martin Männel den guten Saisonstart. 2010 war er mit den Lila-Weißen in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Auch andere Torhüter wurden ihm seitdem vor die Nase gesetzt, doch Männel blieb die Nummer eins, ist inzwischen Kapitän und fast schon eine Legende im Erzgebirge. Der bisherige Rekordspieler Holger Erler bestritt in der früheren DDR-Oberliga 359 Spiele für Aue, dahinter folgt schon Martin Männel (354). Nur noch fünf Einsätze fehlen dem Mann aus Oberhavel zur vereinsinternen Bestmarke – die sollte er in dieser Saison knacken.

Der FC Erzgebirge Aue und Kapitän Martin Männel wollen beim SC Paderborn die Niederlage gegen den SV Sandhausen wiedergutmachen.
Martin Männel ist Kapitän beim FC Erzgebirge Aue - und bald wohl auch Rekordspieler. © 2018 Getty Images

Langjähriger Torwarttrainer wechselt zu Spartak Moskau

An solche Rekorde war damals, als er auf dem Sportplatz an der Germendorfer Straße zum ersten Mal gegen den Ball trat, überhaupt nicht zu denken. Und auch während seiner Karriere haben ihn solche Statistiken nie interessiert. „Mit geht es immer um den Spaß am Fußball. Ich kann am Wochenende vor mehreren tausend Fans zeigen, was ich drauf habe. Was gibt es Schöneres?“

Ganz abschalten konnte Martin Männel aber auch am vergangenen Wochenende in Velten nicht. Am Freitagabend klingelte plötzlich das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Männels bisheriger Torwarttrainer Max Urwantschky. „Wir haben fünf Jahre zusammengearbeitet, hatten ein enges Vertrauensverhältnis“, beschreibt der Schlussmann. Jetzt eröffnete Urwantschky seinem Schützling, dass er dem ehemaligen Aue- und Schalke-Trainer Domenico Tedesco zu Spartak Moskau folgen werde. Der Veltener nimmt es sportlich: „Wenn man diese Chance bekommt, muss man sie nutzen.“

Ein guter Freund aus alten Tagen blieb ihm in all den Jahren im Profifußball aber immer erhalten. „Zu Romano Bergling habe ich regelmäßig Kontakt, wir sind ein Herz und eine Seele.“ Auch deshalb kommt Martin Männel immer wieder gerne zurück in die Heimat.

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