22. Oktober 2021 / 11:47 Uhr

Für Anti-Diskriminierungsarbeit: Leipziger Initiative erhält Fußball-Bildungspreis "Lernanstoß"

Für Anti-Diskriminierungsarbeit: Leipziger Initiative erhält Fußball-Bildungspreis "Lernanstoß"

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
IVF Leipzig Mitglieder
Die IVF Leipzig ist seit mehr als zehn Jahren in der Antidiskriminierungsarbeit im Fußball aktiv. © Privat
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Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich die Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport Fußball gegen Diskriminierung, Rassismus und Sexismus auf und neben dem Platz. Dafür erhalten die Mitglieder den diesjährigen Deutschen Fußball-Kulturpreis in der Kategorie Bildung.

Leipzig. Mit dem Programm „Ein Verein für alle“ trägt die Leipziger Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport Fußball (IVF) seit 2020 dazu bei, Clubs und ihre Akteurinnen sowie Akteure gegenüber Diskriminierung, Rassismus und Sexismus zu sensibilisieren. Für diese Arbeit erhält die 2009 gegründete Initiative den Bildungspreis "Lernanstoß" 2021. Das gab die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, die die Ehrung vergibt, am Donnerstag bekannt. Die Auszeichnung, die eine der Kategorien des Deutschen Fußball-Kulturpreises darstellt, wird am 29. Oktober verliehen.

"Wir sehen diese Auszeichnung als Bestärkung"

In der Begründung heißt es, dass die IVF „wichtige Pionierarbeit leistet“. Besonders betont wird dabei, dass die Veranstaltungen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren zugänglich sind. Positiv fiel zudem die „pragmatische Herangehensweise des Gesamtprojektes“ auf. Workshops und Vorträge sowie die Ausstellung „Strafraum Sachsen 2.0“ stellen „vorbildliche und thematisch gut gestaffelte Einzelbausteine, die Bedarfsorientierung und leichte Umsetzbarkeit kombinieren“ dar. Während der Lockdowns bot die IVF zudem digitale Seminare an.

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Beim IVF herrschte nach der Bekanntgabe am Donnerstag große Freude. Uli Heinze, Politikwissenschaftlerin und Projektkoordinatorin der IVF erklärte via Social Media: „Wir sehen diese Auszeichnung als Bestärkung, uns auch weiterhin für mehr Vielfalt und Teilhabe im sächsischen Breitensport-Fußball zu engagieren.“ Sie gab aber auch zu bedenken, „Diskriminierung und Ausgrenzung sollte nicht nur im Profifußball thematisiert und bekämpft werden, sondern vor allem auch an der Basis. Gerade der Breitensport-Fußball mit seinen unzähligen Aktiven und Ehrenamtlichen benötigt langfristige und nachhaltige Angebote in dem Bereich“. Heinze verweist darauf, dass diese „leider in Sachsen und vielen anderen Bundesländern nur marginal vorhanden“ sind.

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Die Initiative strebt auch deshalb eine langfristige Begleitung der Vereine an. Dazu gehört das neue Programm „Ein Verein für alle – Das Vielfaltsnetzwerk“. Fahrten zu Gedenkstätten, Treffen von Netzwerken, Aktionstage und neue Workshops erweitern dabei das bisherige Angebot. Einen wichtigen Aspekt stellt das Zusammentreffen von Akteuren unterschiedlicher Vereine dar, um sich auszutauschen und auch die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern.

Preis für Völkerverständigung an Clarence Seedorf

Der Deutsche Fußball-Kulturpreis wird sei 15 Jahren unter anderem für eine Persönlichkeit, die sich besonders für Völkerverständigung einsetzt, sowie in den Kategorien Fans, Bildung, Fußballbuch oder Fußballspruch des Jahres vergeben. Leipziger Vertreterinnen und Vertreter gehören dabei nicht zum ersten Mal zum Kreis der Geehrten. 2019 ging die Auszeichnung an das Autorenkollektiv des Buches „125 Jahre – Vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig“.

In diesem Jahr wird das Buch „71/72 – Die Saison der Träumer“ von Bernd M. Beyer über ein Kapitel westdeutscher Fußballgeschichte prämiert. Den Preis in der Kategorie Europäisches Fußball-Projekt erhält „Fan.tastic Females – Football Her.Story“. Die Wanderausstellung, die seit 2018 tourt und Anfang 2019 auch schon in Leipzig zu sehen war, porträtiert über 90 Frauen aus mehr als 20 Ländern, die als Fans den Fußball begleiten und gestalten. Sie erzählen über die schönsten Momente im Fußball aber auch die zahlreichen Probleme und Hindernisse.


Den Walther-Bensemann-Preis für Völkerverständigung erhält Clarence Seedorf. Steffen Baumgart, Trainer des FC Köln, lieferte mit „Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle.“ den Fußballspruch des Jahres.