14. Februar 2020 / 11:32 Uhr

96-Frauen-Trainer Marcel Geisenhainer wirft hin: "Mein Traum muss ruhen" (Update!)

96-Frauen-Trainer Marcel Geisenhainer wirft hin: "Mein Traum muss ruhen" (Update!)

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hört auf: Marcel Geisenhainer ist nicht mehr Trainer bei den 96-Frauen.
Hört auf: Marcel Geisenhainer ist nicht mehr Trainer bei den 96-Frauen. © Debbie Jayne Kinsey
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Marcel Geisenhainer ist nicht mehr Trainer bei den Drittliga-Frauen von Hannover 96. Die Erfolgsgeschichte ist für ihn erstmal beendet. Als Grund nennt Geisenhainer die "heftige Belastung". 96 vermeldete außerdem fehlenden Rückhalt in der Mannschaft. Tatsächlich waren sich Trainer und Verein nicht über die Ausrichtung einig.

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Marcel Geisenhainer hat die Erfolgsgeschichte bei den Frauen von Hannover 96 von der Bezirksliga bis in die dritte Liga entscheidend als Trainer und Sportlicher Leiter zusammen mit Lars Gänsicke mitgeschrieben. Die Mannschaft um die Stürmerin Anna-Lena Füllkrug, Schwester von Werder-Stürmer Niclas, ist aktuell Zweiter der Regionalliga.

Die Fakten: Gänsicke bleibt vorerst und bekommt Unterstützung von U17-Trainer Sebastian Baar (24), der 52 aktive Regionalligaspiele für Germania Egestorf/Langreder auf dem Buckel hat. "Sebastian ist ein guter Kicker, hat hoch gespielt, er kann den Mädels noch einmal neue Impulse geben", sagt Geisenhainer über seinen Nachfolger.

Die Hintergründe: Das ehrgeizige Trainer-Duo Geisenhainer/Gänsicke wollten das Projekt Frauenfußball unter dem Leistungsaspekt weiterführen - bis in die 2. Liga, später sogar in die Bundesliga. Der Vereinsvorstand von Hannover 96 plant aber offenbar eine Kürzung der Mittel für den Frauenfußball (bisher 90 000 Euro pro Saison) auf etwa 70 000 Euro pro Saison. In einer Sitzung soll Geisenhainer außerdem die Unzufriedenheit einiger Spielerinnen mitgeteilt worden sein. Darauf angesprochen, sagte der Ex-Trainer: "Es gibt immer unzufriedene Spielerinnen. Da hege ich keine Groll gegen niemanden."

Mehr zu den 96-Frauen

Das sagt der Kollege Gänsicke:

Der macht zwar weiter, aber auch er war nicht glücklich mit der Entwicklung: „Wir sind jetzt nicht in die Versammlung gegangen und haben geplant, dass nur einer rausgeht. Ich kann seine Entscheidung absolut nachvollziehen, ich bedaure es auf jeden Fall, mache jetzt keine Luftsprünge. Wenn man fünf Jahre erfolgreich zusammenarbeitet, dann ist man natürlich schockiert.“

"Es ist einiges festgefahren"

Zum fehlenden Rückhalt in der Mannschaft - den 96 in einer Mitteilung darstellte - wollten sich Spielerinnen des 96-Kaders auf Nachfrage nicht äußern. Geisenhainer deutet nur an: "Es ist nach so vielen Jahren vielleicht auch einiges festgefahren. Es ist dann auch mal Zeit für einen neuen Ansatz. Es muss auch mal etwas Neues geben, davon bin ich überzeugt. " Dennoch kommt der Rückzug des 36-Jährigen überraschend. Vor kurzem hatte er mit 96 den zweiten Platz bei der NP-Wahl zur Mannschaft des Jahres gefeiert. Sein Ziel war die 2. Bundesliga, sein Traum der Aufstieg in die Bundesliga gewesen.

Ausgezeichnet: Marcel Geisenhainer (23. Mitte von links) wurde mit den 96-Frauen Zweiter bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres.
Ausgezeichnet: Marcel Geisenhainer (23. Mitte von links) wurde mit den 96-Frauen Zweiter bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres. © Rainer-Droese
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Für 96 auf Urlaub verzichtet

"Mein Traum muss ruhen", sagt Geisenhainer. Den Nebenjob verliert er freiwillig, gewonnen hat er vor allem Freizeit. "Das war schon eine heftige zeitliche Belastung, ich habe noch nicht einmal Urlaub genommen, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Und der Trainerjob ist nicht mein Hauptberuf." Geisenhainer ist bei der Landeshauptstadt Hannover angestellt, er lebt in Neustadt. "Ich habe selbst gemerkt, dass ich nicht mehr die Energie habe, die ich vielleicht brauche, um es richtig gut zu machen", sagt er.

Streit mit dem zweiten Trainer Lars Gänsicke habe es nie gegeben. "Wir tauschen uns aus, immer noch", sagt Geisenhainer. Gänsickes Tranervertrag läuft noch bis zum Sommer. Für den aktuellen Trainertausch wünscht Geisenheiner 96 alle Gute: "Es wird weitergehen, der Weg dieser Mannschaft ist noch nicht zu Ende, sie hätte es verdient, in der 2. Liga zu spielen". Die Geschichte wird nun allerdings ohne Geisenhainer weitergeschrieben.

Update (17. Februar)

Via Facebook berichtet der Verein, dass keine Kürzung geplant sei. "Das Gegenteil ist der Fall. Das Budget der Abteilung Fußball wurde von 2019 auf 2020 um 30 % erhöht. Diese Erhöhung entfällt ausschließlich auf den Bereich des Frauenfußballs. Auch für das Folgejahr sind bisher keine Kürzungen vorgesehen."