03. Oktober 2019 / 15:53 Uhr

600 VfL-Fans in St. Etienne: "Gibt immer Leute, die über uns lachen"

600 VfL-Fans in St. Etienne: "Gibt immer Leute, die über uns lachen"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL-Fans im Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Etienne
VfL-Fans im Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Etienne
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Mit knapp 10.000 Zuschauern war die VW-Arena beim ersten Europa-League-Spiel gegen den FC Olexandrija ziemlich leer geblieben, viel Spott musste sich der VfL Wolfsburg wieder einmal gefallen lassen. Doch jetzt zeigen die Fans des Fußball-Bundesligisten, dass sie Bock auf den internationalen Wettbewerb haben. Knapp 600 Fans sind am Donnerstagabend (18.55 Uhr, live auf DAZN) in St. Etienne dabei - und die wissen warum.

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Exakt 1111 Kilometer trennen Wolfsburg von der französischen Stadt in Nähe von Lyon. Knapp zehneinhalb Stunden Autofahrt bedeutet das für die meisten VfL-Anhänger. Zumindest für diejenigen, die das Angebot des Klubs nicht nutzen und mit der Mannschaft nach St. Etienne reisen konnten. Und das ist der Großteil. Etwa 50 Fans flogen mit dem Team, der Rest reist selbst an. Das Problem: Einen Direktflug gibt es für Normalreisende nicht, eine Reise wäre nur über Lyon möglich. Dennoch haben sich 600 Anhänger dazu entschlossen, ihren Verein im Stade Geoffrey-Guichard zu unterstützen. "Wenn man bedenkt, dass es nicht so einfach ist, mit dem Flugzeug nach St. Etienne zu kommen, ist das schon eine coole Zahl“, hatte Michael Schrader, einer der VfL-Fanbeauftragten gesagt.

Von St. Etienne nach Namibia

Aber diejenigen, die da sind, wissen, warum sie es gemacht haben. "Es ist total cool, sich auswärts ein Europa-League-Spiel anzuschauen - vor allem nach den schweren Zeiten des Leids", sagt Anhängerin Alexandra Wieting. 1267 Tage mussten die VfL-Fans auf diesen Moment warten, zweimal zitterten sie sogar um die Bundesliga-Zugehörigkeit, die erst in der Relegation gesichert worden war. "Wir haben lange nicht international gespielt, es ist die erste Auswärtspartie im Europapokal in dieser Saison, da muss man einfach dabei sein", so VfL-Fan Rico Segger, der noch größere Strapazen auf sich nimmt. "Theoretisch wollte ich nicht so viel Geld ausgeben, aber mit dem Auto hätte ich es zeitlich nicht geschafft. Denn am Freitagabend um 22.30 Uhr geht's für mich direkt weiter nach Namibia."

Bilder vom Spiel der Europa League zwischen dem VfL Wolfsburg und FC Olexandrija

Mit dieser Elf ist der VfL Wolfsburg in die erste Europapokal-Partie nach vielen Jahren gegangen. Zur Galerie
Mit dieser Elf ist der VfL Wolfsburg in die erste Europapokal-Partie nach vielen Jahren gegangen. ©

Europa League vor dem Afrika-Trip also - das ist sportlich und vorbildlich zugleich. Auch Christian Weber reiste mit der Mannschaft an, aber auch sonst wäre der Fan dabei gewesen. "Ich wäre auch mit dem Auto aus Reislingen gekommen, ich wollte gern mal nach Frankreich", sagt der 53-Jährige. Und Michaela Regner richtet ihre Freizeit an den Wolfsburgern aus: "Ich bin schon viele Kilometer mit dem VfL gereist, ich plane sogar meinen Urlaub danach."

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Dass 600 Fans mit dabei sind, sorgt für positive Resonanz. "Das ist eine super Zahl, wobei natürlich auch der Feiertag mit reinspielt", weiß Regner. Und Weber entgegnet: "Das sind viele, damit hätte ich nicht gerechnet." Andere wiederum würden sich noch mehr Unterstützung wünschen, gehen mit der Häme von außen aber locker um. "Ich denke, die Zahl ist in Ordnung", sagt Bastian Böttcher. "Es gibt immer Leute, die über uns lachen werden." Und Wieting fügt in Anlehnung ans Olexandrija-Spiel hinzu: "Da hat mir jeder Spieler leidgetan, das hat die Mannschaft nicht verdient. Ich hätte mich am liebsten bei jedem Einzelnen entschuldigt. Daher finde ich es cool, dass jetzt so viele dabei sind."